von El Awadalla
Anfang Jänner machte die über deutsche Fernsehsender ausgestrahlte
Werbung für ein Buch namens "Kraft zum Leben" Schlagzeilen. Prominenz
aus Sport und Film bekannte sich in diesen Spots zu Gott, dessen Hilfe
durch das Gratisbuch zu bekommen sei. Recherchen von
Sektenberatungsstellen ergaben, dass diese Aktion von der
US-amerikanischen Familie De Moss finanziert wurde. Die
millionenschwere Familienstiftung "Arthur S. De Moss Foundation" gehört
zum konservativen evangelikalen Spektrum in den USA und unterstützt mit
großen Summen u.a. die Anti-Abtreibungs-Bewegung in den USA, die (US-)
"Nationale Koalition gegen Pornographie", "Campus Crusade for Christ"
und eben auch die "Power-for-Living-Kampagne". Kontakte bestehen zu
rechtsextremen Gruppen ebenso wie zur Mun-Sekte und zum rechten
Prediger Jerry Falwell, der den Wahlkampf von George W. Bush
unterstützte wie schon jenen von Ronald Reagan 1984. Die Fernsehwerbung
für "Kraft zum Leben" wird mittlerweile nicht mehr ausgestrahlt, weil
in Deutschland religiöse Werbung an sich verboten ist.
Diese Kampagne ist in engem Zusammenhang mit dem internationalen
Vormarsch der AbtreibungsgegnerInnen zu sehen. Bekannt sind in
Österreich die Bet- und Belästigungsaktionen vor Kliniken, in denen
Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden, wie beispielsweise
allmonatlich vor der Wiener Mairo-Klinik. Dorthin führen aber nicht nur
Prozessionen, sondern nahezu täglich werden Frauen belästigt, um sie am
Betreten der Klinik zu hindern. Vor kurzem konnte die Mairo-Klinik
allerdings einen juristischen Erfolg verbuchen: Eine Kündigung der
Räumlichkeiten wurde abgewendet. Die Vorgeschichte ist eng mit der
blauschwarzen Regierung verbunden, denn durch diese fühlen sich die
AbtreibungsgegnerInnen hierzulande so stark wie noch nie. Im
Nationalratswahlkampf 1999 warben sie, die sich selbst gern als
LebensschützerInnen sehen, vorzugsweise zwar durch beten, doch auch
Flugblätter tauchten auf für die ÖVP, aber auch für die FPÖ. Doch die
Beziehungen gehen tiefer.
Pro-Life, eine der großen und reichen Gruppierungen im Kampf
gegen den Schwangerschaftsabruch, kaufte unter ihrem Anführer Dietmar
Fischer letztes Jahr die Wohnung in der Großen Sperlgasse 24 in Wien,
in der die Mairo-Klinik ihre Praxis hat, und versuchte seither, diese
mit Hilfe von Räumungsklagen zu vertreiben, obwohl die Klinik einen
unbefristeten Mietvertrag hat. Vertreten werden die Abtreibungsgegner
durch die (ehemalige?) Rechtsanwaltskanzlei des amtierenden
Justizministers Böhmdorfer.
Die österreichischen AbtreibungsgegnerInnen kommen vorzugsweise aus
dem rechtskatholischen Lager, doch auch Antifrauenminister Herbert
Haupt, "Alter Herr" der deutschnationalen Akademischen Landsmannschaft Kärnten zu Wien",
kann zu ihnen gezählt werden. Schon kurz nach seiner Angelobung dachte
er laut über Einschränkungen des Schwangerschaftsabbruchs nach, vorerst
nur für voraussichtlich Behinderte. Ebenso propagierte er ein
Mitspracherecht der Männer beim Schwangerschaftsabbruch. Dass damit nur
der Weg zu allgemeinen Einschränkungen bis hin zur Aufhebung der
Straffreiheit für alle Abtreibungen geebnet werden sollte, zeigt sich
schon der Beifall für Haupt, der prompt folgte.
Die geradezu klassische Gruppierung im Kampf gegen Abtreibung und Selbstbestimmungsrecht der Frauen sind die Geborenen für Ungeborene, 1984 mit ÖH-Geld gegründet. Der damalige "Zentralausschuss" mit einer Mehrheit aus AG und JES unterstützte die Geborenen für Ungeborene
mit 95.000 Schilling (HTU-Info 10/84, 2.5.84). Das Frauenreferat der
HTU forderte - erfolglos - den Rücktritt des ZA-Vorsitzenden Herbert
Rainer und seiner Stellvertreter von AG und JES. Die größten Aktionen
der Geborenen für Ungeborene fanden statt, als Marilies
Flemming (ÖVP) Familienministerin war. Sie bekannte sich als
Abtreibungsgegnerin und stand im besten Einvernehmen mit den
katholischen Bischöfen. Sie verhinderte auch eine umfassende
Sexualaufklärung an Österreichs Schulen, indem sie den sogenannten
"Sexkoffer" weitgehend ausräumte. Dieser war als Informationssammlung
für LehrerInnen gedacht und enthielt u.a. Materialien über Abtreibung.
Doch darüber durften die SchülerInnen nichts erfahren.
Im Gründungsjahr der Geborenen für Ungeborene
war Wahlkampf in den USA; der rechtsevangelikale Fernsehprediger Jerry
Falwell unterstützte Ronald Reagan, der sich gegen den
Schwangerschaftsabbruch engagierte. In diesem Jahr kam es in den USA zu
mehr als zwanzig Anschlägen auf als Abtreibungskliniken betrachtete
Kliniken, in denen Schwangerschaftsabbrüche möglich waren. Ein
Zusammenhang ist nicht nachweisbar, doch eine Vorbildwirkung kann nicht
ausgeschlossen werden.
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