Einleitendes zum Text
von Alex Demirovic - von Roland Atzmüller
Politische Wahlforschungen weisen regelmäßig große Erfolge der FPÖ bei
Personen mit niedrigem Einkommen und Bildungsgrad, bzw. ArbeiterInnen
aus. Der wachsende Einfluss rechter und rechtsextremer Diskurse in der
Bevölkerung wird als Ausdruck des Protests sogenannter
ModernisierungsverliererInnen, jener die sich von verantwortungslosen
Demagogen verführen ließen, die ihre Ängste und ihre Uninformiertheit
ausnützen, verständnisvoll interpretiert und bestimmten
Bevölkerungsgruppen zugeschoben.
Aus dem Blick gerät die Frage nach politischen Einstellungen und
Orientierungen der gegenwärtigen und zukünftigen Eliten, wie etwa der
Studierenden.
Vordergründig scheint dies verständlich. Der RFS (Ring Freiheitlicher
Studenten) erreichte bei den letzten ÖH-Wahlen gerade mal 3% der
abgegebenen Stimmen. Nach den Ergebnissen des IFES-Instituts liegt der
Anteil der FPÖ-WählerInnen unter Personen mit Matura oder
Universitätsabschluss mit 22% weit unter dem anderer Bildungsgruppen.
Nicht zuletzt die Diskrepanz zwischen ÖH-Wahlen und Nationalratswahlen
lässt jedoch die Vermutung zu, dass die Wirksamkeit rechter Ideologeme
und Diskurse unter Studierenden größer sein könnte. Es wäre daher
notwendig, Analysen der in rechten/rechtsextremen Verbindungen
organisierten Studierenden durch vertiefte qualitativ ausgerichtete
Untersuchungen zu politischen Einstellungen der Studierenden und zur
Effektivität rechter Ideologeme und Diskurse im Selbstverständnis einer
Personengruppe, die - gezeichnet fürs Leben als 'high potentials' und
'opinion leader' - als zukünftige TrägerInnen und RepräsentantInnen
gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftspositionen, diese
reproduzieren helfen, zu ergänzen.
Zum angedeuteten Fragenkomplex wurde in den 90er Jahren eine
großangelegte Studie am Frankfurter Institut für Sozialforschung
durchgeführt, die im folgenden kurz vorgestellt werden soll. Natürlich
können die Ergebnisse nicht umstandslos auf die österreichische
Situation übertragen werden, trotzdem ergeben sich wichtige Hinweise
und Fragestellungen zur Artikulation rechter Diskurse im
Selbstverständnis von Studierenden, die auch in den österreichischen
Verhältnissen anzutreffen sind und näher untersucht werden müssten
(rassistische Mobilisierung gegen MigrantInnen, Law and Order-Diskurse,
Schlussstrich-Debatten...). Das gilt auch für jene Felder, die aufgrund
gesellschaftlich und politisch unterschiedlicher Entwicklungen in
Österreich, andere Manifestationen und Kristallisationspunkte für die
Artikulation rechter Ideologeme im Selbstverständnis Studierender
sichtbar werden lassen. So wird in der BRD etwa die Wiedervereinigung
zum zentralen Medium der Normalisierung eines 'selbstbewussten'
Nationalismus, während sich dies in Österreich eher an der Frage der
Einmischung von Außen (von Waldheim bis zu den EU-Sanktionen) entzündet.
Der folgende Beitrag ist daher nicht als Antwort sondern als Frage zu verstehen. |