von Claude Haddad
Als ich die Grenze nach Österreich überquert habe, hatte ich ein
Ziel: Studieren, und als Diplom-Ingenieur in mein Heimatland
zurückkehren. Immerhin haben es vor mir ein Onkel und eine Tante
geschafft und vor kurzem ihr Studium im Ausland absolviert. 5 Jahre im
Ausland - das schafft für mich eine neue Zukunft.
Deutsch lernen, ein neues Land entdecken und neue Leute Treffen.
Freunde fürs Leben, Kontakte für das spätere Berufsleben und vor allem
die berühmte Stadt kennenlernen. Wien, ich komme...
Dieser Traum ist leider nach so vielen Jahren ein Traum geblieben,
dieser Traum wird leider auch nur ein Traum bleiben. Ein zerstörte
Zukunft und ein böser Alptraum. Das ist es, was übrig geblieben ist.
In einer immer internationaler werdenden Welt kommt es mir oft so vor,
dass Österreich den Rückwärtsgang eingelegt hat und trotzdem dies alles
nicht merken will.
In Zeiten der Globalisierung, und der Suche nach neuen Partnern am
anderen Ende des Globus, sucht die Österreichische Regierung fast nur
mehr Kontakte zur nächsten Gemeinde. Wie lange wird es dauern bis man
hier merkt, dass es so nicht weiter geht.
Studieren ist für viele eine große Herausforderung, da sie ein 400
Seiten Skript lernen sollen, Studieren ist für einige eine
Herausforderung da Sie 30 Km von zu Hause entfernt wohnen werden.
3.500 km von zu Hause weg sein, Deutsch zum ersten Mal gehört zu haben
und kein einziger Mensch, den man kennt, sind Herausforderungen. Ein
Sprung ins Ungewisse, mit vielen Träumen. Das erleben viele
ausländische Studierende.
Wenn man das Glück (!!) hat und die Einreisebestimmungen erfüllt, (das
dauert meistens mehr als 6 Monate), beginnen die bösen Überraschungen
ans Tageslicht zu kommen.
70.000 ATS müssen wir jährlich nachweisen, und das auf einem
österreichischen Konto. ( Sogar manchmal vor der Einreise). Eine
Wohnung finden müssen noch vor der Einreise. Und seit diesem Jahr, die
berühmten 10.000 PRO SEMESTER zahlen.
Dazu kommt noch, dass wir hier nicht arbeiten dürfen. Nicht einmal
geringfügig. Die Aufenthaltsgenehmigung, die wir bekommen, gilt für
Studieren als Zweck und nur fürs Studieren. Man verlangt sozusagen von
uns: Lernen, Prüfungen ablegen, essen, schlafen, Geld ins Land holen
und MUND halten.
Bei unserer Vertretung dürfen wir aktiv arbeiten, aber auch immer nur
als MitarbeiterInnen. Selber entscheiden dürfen die AusländerInnen
NICHT. Wer wird denn uns wahrnehmen, wenn wir eh nur wählen dürfen (und
wer von uns geht überhaupt wählen) und keine "Gefahr" für andere
wahlwerbende Gruppen darstellen. Wir sollen uns doch zufrieden geben,
mit unserem AusländerInnenreferat. Was man außerhalb der ÖH nicht weiß,
ist aber eine Realität. Die ReferentInnen sind weisungsgebunden. Also
entscheiden dürfen sie nichts alleine. Man verlangt also hier brav in
die Kassa unserer Vertretung zu bezahlen und zufrieden zu sein, wenn
jemand für uns was macht. Das Glück entscheidet, wer Vorsitzende/r ist
und was für Schwerpunkte gesetzt werden. Heute läuft es gut, aber wie
war es Gestern und vor allem was kommt Morgen?
Wahlrecht jetzt, und ein Autonomes AuslaenderInnenreferat innerhalb der ÖH.
Doppelt bezahlen müssen wir nicht nur die Studiengebühren. Doppelt
und manchmal dreifach müssen wir auch für den Öffentlichen Verkehr
bezahlen. Als ich vor 2 Wochen beim Schwarzfahren in Wien erwischt
wurde, habe ich dem Kontrolleur gleich gesagt, dass ich keinen
Fahrschein habe. Als die Frage "Und wieso haben Sie keinen?" kam, habe
ich die reine Wahrheit gesagt: Aus Prinzip, ich bezahle nur die Hälfte
meiner absolvierten Fahrten in der U-Bahn. Ich studiere hier, und
bezahle wie alle meine KollegInnen an der Uni nur die Hälfte. Das
Gesetz sieht es anders, aber ich sehe keinen Grund, warum ich doppelt
bezahlen soll, da auch ich meinen Hauptwohnsitz in Wien habe. Er
schaute mich an und sagte: "Ja aber die Strafe müssen sie jetzt
trotzdem bezahlen".
Gleiche Ermäßigungen. StudentIn ist StudentIn!
1.200 ATS Jährlich spende ich für die Fremdenpolizei. Da ich mein
Visum jährlich verlängern muss. Neben dem Studienerfolg, kommen wieder
die 70.000,-ATS, die ich nachweisen muss. Ich habe das Glück das ich
dies nicht als Problem habe. Aber nicht einmal die Fremdenpolizei
glaubt, dass jede/r die 70.000 ATS jährlich aufbringen kann. "Und wie
sollen wir das, wenn wir nicht arbeiten dürfen?" Das sind die
Schikanen. Viele meiner KollegInnen verlieren Tage und Wochen, bis Sie
dieses Problem lösen können. Kann man dann wirklich lernen?
Visum für die Studiendauer, und keine Schikanen und Hürden. Der
Nachweis über 70.000 ATS gehört abgeschafft, und wir sollen arbeiten
dürfen.
Ich darf in Österreich sozusagen keine Freundin haben. Wenn ich mich
entscheide hier zu bleiben, und mit meiner Freundin eine
Lebensgemeinschaft führe, müssen wir heiraten, da ich sonst nicht hier
bleiben kann. Also Heiratspflicht. Warum soll mich das Gesetz zwingen,
meine Freundin zu heiraten? Und das schlimmste wäre, auch eine
ausländische Freundin zu haben, dann müssen wir beide das Land
verlassen. Das gilt sowieso nur für die Mann-Frau Beziehung. Mann-Mann
bzw. Frau-Frau-Beziehungen haben für AuslaenderInnen keine Zukunft.
Entweder gleich nach dem Studium Schluss machen, oder die Uni
subventionieren und wieder ein neues Studium anfangen. Wann wird der
Gesetzgeber einsehen, dass Beziehungen nicht nur aus HEIRATEN bestehen,
bzw. nicht nur aus MANN-FRAU?
Bleiberecht für alle nach dem Studium. Wir können alle beitragen, ein noch besseres Österreich aufzubauen.
Was ist mit den Berufserfahrungen neben dem Studium? Wenn ich dem
Gesetz folgen will, (und das tue ich brav, da sonst ich ein
Aufenthaltsverbot für 5 Jahre bekomme) dann habe ich die Wahl zwischen:
- Nicht arbeiten
- Gratis Arbeiten
- Oder Zeitungen verteilen. Für Frauen bleibt nur das AU-Pair. (
AU-Pair in Österreich ist ein Verschönerungswort für Dienstmädchen für
alles, und alles heißt auch manchmal Schlimmes).
Im Vergleich zu anderen EU-Ländern merkt man, dass Österreich da fast
einen Sonderfall darstellt. In Deutschland, Frankreich, England,
Schweden, Norwegen und vielen anderen Ländern dürfen ausländische
Studierende aus Drittstaaten arbeiten. (In den Sommerferien, Oster- und
Weihnachtferien). Ausländische Studierende in Österreich können sogar
während der Ferien in Deutschland arbeiten. Die Problematik liegt nur
an der Schwierigkeit, eine Arbeit zu finden, solange man/frau noch in
Österreich ist.
Arbeitsrecht jetzt für alle.
Studienwechsel ist nicht erlaubt. Wer sich einmal für Medizin
entscheidet, darf in Österreich dann nur Medizin studieren, oder 5
Jahre abwarten. Studienwechsel ist nicht erlaubt, außer man kann wieder
vom Heimatland einen Studienplatznachweis bekommen. Die Frage nach dem
WIE hat sich der Gesetzgeber wahrscheinlich nie gestellt. Wie kann ich
eine Aufnahmeprüfung in meinem Land machen, wenn ich noch hier Kurse
besuchen muss? Oder wie kann überhaupt eine(r) die Aufnahmeprüfung
schaffen nach nur (als Beispiel) 3 Jahren Aufenthalt in Österreich.
Weg mit dem Studienplatznachweis für alle die sich schon in Österreich befinden.
Studieren sollen AusländerInnen ab diesem Jahr nur mehr in Wien,
Graz und Leoben. Wir müssen am Studienanfang Deutsch lernen, und da
gelten wir als außerordentliche Studierende. Die Unis haben sogenannte
Vorstudienlehrgänge eingerichtet, um uns diese Möglichkeit zu geben:
Deutsch lernen und die Ergänzungsprüfungen ablegen. Was man nicht
gemacht hat, ist das Einrichten solcher Lehrgänge in Salzburg, Linz
oder Innsbruck. Und so müssen auch Studierende aus den ärmsten Ländern
die eigentlich die Studiengebühren rückerstattet bekommen sollen,
10.000 pro Semester bezahlen, und dazu noch die Gebühren eines
Deutschkurses. Also sozusagen ca. 15.000 spendieren und nicht einmal
die Uni besuchen. Die ersten Auswirkungen hat man schon in Salzburg
dieses Jahr gespürt. Einen deutlichen Rückgang bei den Erstzulassungen
bei ausländischen Studierenden.
Rückerstattung für alle Studierende aus den Entwicklungsländern
auch während der Zeit des Deutschlernens. Und das Einrichten von
Vorstudienlehrgängen an allen Österreichischen Universitäten.
Krank werden dürfen wir nicht, Flugzeug verpassen auch nicht. Wer
krank im Bett liegt und sein Flugzeug verpasst, kann dann gleich in
seinem Heimatland für immer bleiben. Nach den neuen Vorstellungen der
Regierung muss man sich jedes Semester an der Uni anmelden, und die
10.000 ATS bezahlen. Wer jedoch das Geld nicht bezahlt, wird
abgemeldet. AuslaenderInnen gelten dann gleich ab dem nächsten Tag als
illegal in Österreich, bzw. dürfen nicht mehr ins Land einreisen. Bei
so einem Fall muss man einen neuen Antrag zur Zulassung beantragen und
sogar einen neuen Studienplatznachweis holen, aber auch die Prüfungen
anrechnen lassen.
Mir fällt da nur eines ein. Wir sind unerwünscht und man versucht bei
jeder Gelegenheit uns Steine auf den Weg zu legen, mit der Hoffnung,
dass wir dann stolpern und aufs Gesicht fallen und als Folge Österreich
verlassen. Mit den heutigen restriktiven Bestimmungen praktiziert das
Land eine "Politik des Aussperrens", die für viele ausländische
StudienbewerberInnen und ExpertInnen nicht hinnehmbar ist. Wann wird
man in Österreich aufwachen und uns das Gefühl geben, wir wären
willkommen? Wann wird man erkennen, dass wir nicht nur unsere
Sitzplätze an den Unis wärmen, sondern auch viel mehr zu Österreich
beitragen können. Wann wird mensch in Österreich erkennen, dass wir
nicht als Sozialfälle gelten wollen und auch nicht so behandelt werden
wollen.
Wir wollen nur Rechte, damit wir in Würde leben und studieren können.
Wir wollen unsere Semmel in der früh bezahlen können, ohne den
täglichen Streit mit der Bank, da wir kein Geld auf unserem Konto
haben. Wir wollen einfach studieren, wir wollen studieren, wir wollen
studieren. Was heutzutage nicht mehr für uns möglich ist. Aufwachen
bevor es zu spät wird! Es wurde die Zukunft von inzwischen ehemaligen
Studierenden im Jahr 2001 zerstört und viele haben das Land schon
verlassen.
ÖSTERREICH für alle GLEICH. Jetzt und heute. Wir leben hier, wir tragen
bei, dieses Land besser zu gestalten, und wir wollen gleich behandelt
werden. Für mich ist der Zug schon abgefahren, und die Gesetze haben
Schlimmes verursacht. Aber was ist mit den Studierenden, die nächstes
Jahr nach Österreich kommen wollen? Werden sie wieder in die gleiche
Falle tappen? Werden Sie das gleiche Schicksal haben?
Wir wollen studieren, wir wollen Rechte und nicht nur Pflichten.
ÖSTERREICH FÜR ALLE GLEICH. Die UNIVERSITÄT MUSS FÜR ALLE GLEICH SEIN. |