Geboren am: 7. März 1938
„Ein Grazer in Hamburg“, Pianist der Gruppe „Neighbors“, Leiter der Bigband des Norddeutschen Rundfunks, unterrichtet an der Musikhochschule Hamburg, wo er die Jazz-Abteilung leitet.
Dieter Glawischnig (* 7. März 1938 in Graz; † 1. Oktober 2026 ebenda)[1][2] war ein österreichischer Jazzmusiker (Piano, Komposition, Posaune, Bandleader) und Hochschulprofessor.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach seinem Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (neben den Instrumenten auch Dirigieren und Musikwissenschaft) arbeitete Glawischnig ab 1963 als Posaunist ohne Festanstellung im Österreichischen Rundfunkorchester. Anschließend war er in der Grazer Oper als Korrepetitor tätig und leitete von 1968 bis 1975 die Jazzabteilung der Musikhochschule Graz. Glawischnig übernahm 1973 in Hamburg die Leitung der damaligen NDR-Studioband[3], entwickelte sie ab 1980 zur NDR Bigband weiter und rettete sie vor der Auflösung. Von 1982 bis zu seiner Emeritierung 2003 hatte er eine Professur an der Musikhochschule der Hansestadt inne und baute dort nach Grazer Vorbild eine Jazzabteilung auf. Der NDR Bigband stand er als Chefdirigent bis 2008 vor.
1974 gründete er mit Ewald Oberleitner und John Preininger die Band The Neighbours, mit der er eine Synthese aus frei improvisierten und auskomponierten Elementen anstrebte und die national wie international zahlreiche Tourneen und Festivaleinladungen absolvierte. Glawischnig wirkte dort unter anderem mit Fred Anderson, Anthony Braxton, Karl Berger, Gerd Dudek, Albert Mangelsdorff und John Surman zusammen. Zu hören ist er auch auf Günter Lenz’ Album Strict Minimum (2007).
Glawischnig war an einem gleichberechtigten Umgang von Text und Musik besonders interessiert, wobei er auf eine Integration der Ausdrucksbereiche beider Bereiche abzielte (anstelle eines nach seiner Ansicht häufig beziehungslosen Nebeneinander von Jazz & Lyrik). Der Sprecher ist dabei gleichwertiger Solist, die improvisierenden Spieler agieren mit dem Sprecher auf gleicher Augenhöhe. Glawischnig setzte sich immer wieder intensiv mit den Gedichten Ernst Jandls auseinander. Seine Komposition „Aus der Kürze des Lebens“ hatte er 1989 mit der NDR Bigband und den Solisten Manfred Schoof, Christof Lauer, Conny Bauer, Andreas Schreiber, John Marshall und Ernst Jandl als Sprecher aufgeführt. Mit Schreiber und Marshall arbeitete er auch in seiner Duo- und Trio-Gruppe Cercle zusammen, die für Rezitationen zusätzlich um den 2011 verstorbenen Dietmar Mues als Sprecher verstärkt wurde. Nach Texten von Gunter Falk schrieb er das Stück Als die Synagogen brannten zum 50. Jahrestag der sogenannten Reichskristallnacht.[4]
Sein Sohn Hans Glawischnig ist gleichfalls Jazzmusiker. Glawischnig starb am 1. Oktober 2026 im Alter von 88 Jahren in einem Grazer Spital. Andreas Felber würdigte ihn auf Österreich 1 als vielseitigen Künstler und offenen Geist, dessen Werk innerhalb und außerhalb Österreichs einen langen Nachhall haben wird.[2]
Auszeichnungen und Preise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit dem Trio Neighbours erhielt Glawischnig 1984 den Joseph-Marx-Musikpreis des Landes Steiermark. 1993 wurde er mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse ausgezeichnet. Für seine Verdienste um die Kunst wurde er 2014 mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen des Landes Steiermark geehrt. 2024 wurde ihm der Andrzej-Dobrowolski-Kompositionspreis des Landes Steiermark zuerkannt.[5]
Diskographische Hinweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Neighbours Live, 1975
- Great Neighbours Music, 1979
- laut und luise – aus der kürze des lebens ernst jandl mit dieter glawischnig und der ndr bigband, 1995
- Dieter Glawischnig, Alípio Carvalho Neto, Ewald Oberleitner, Gal Furlan: Sound Is (Klopotec, 2022)
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ian Carr, Digby Fairweather, Brian Priestley: Rough Guide Jazz. Der ultimative Führer zur Jazzmusik. 1700 Künstler und Bands von den Anfängen bis heute. Metzler, Stuttgart/Weimar 1999, ISBN 3-476-01584-X.
- Andreas Felber: Bloß nicht zu viel üben. In: Der Standard. 21. Juni 2013.
- Wolfram Knauer: The New Grove Dictionary of Jazz. Volume 2 Gabler-Niewood, second edition, Macmillan Publishers, London 2002, ISBN 1-56159-284-6
- Michael Kahr: Jazz & the City. Jazz in Graz von 1965 bis 2015 (Graz: Leykam 2016), S. 61–85.
- Elisabeth Kolleritsch: Dieter Glawischnig. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2003, ISBN 3-7001-3044-9.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Medien von und über Dieter Glawischnig im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Interview, geführt von Hans Kumpf, auf den Jazzpages
- Dieter Glawischnig bei Discogs
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Trauer um Dieter Glawischnig: Früherer Chefdirigent der NDR-Bigband ist tot. In: kurier.at. 14. Oktober 2026, abgerufen am 14. Oktober 2026.
- ↑ a b Andreas Felber: Komponist und Jazzpianist Dieter Glawischnig tot. In: oe1.orf.at. 15. Oktober 2026, abgerufen am 15. Oktober 2026.
- ↑ Mit der NDR-Studioband musste er in einer Fernsehshow Heino begleiten – dabei trug er den Button Heino? Nein Danke. Vgl. Dieter Glawischnig sagt Servus (NDR)
- ↑ Hey, ich wusste gar nicht, dass du auch Klavier spielen kannst. Interview. In: Frankfurter Rundschau. 20. Januar 2009.
- ↑ Land Steiermark ehrt Jazzer Glawischnig und Perkussionistin Stadler. In: Kleine Zeitung. 16. Mai 2024, abgerufen am 16. Mai 2024.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Glawischnig, Dieter |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Jazzmusiker und Jazzforscher |
| GEBURTSDATUM | 7. März 1938 |
| GEBURTSORT | Graz |
| STERBEDATUM | 1. Oktober 2026 |
| STERBEORT | Graz |


