FORVM, No. 315/316
März
1980

Freßwelle

Beobachtungen in Budapest, Mitte Februar 1980

Nach dem weihnachtlichen Überfall von Väterchen Frost auf Afghanistan — offenbar ein Sieg der Falken im Kreml — erwarteten alle einen Schlag gegen die Opposition in Osteuropa. Er kam nicht. Obwohl die polnischen Zustände, das offene und organisierte Auftreten von Systemfeinden, hinterm Lenin-Mausoleum sicher Alpträume erzeugen. Ärgere als die islamische Erneuerungsbewegung. Trotzdem konnte sich der harte Kurs bisher nicht durchsetzen. Die ungarische Führung hält mit Zähnen und Klauen an ihrer, wie immer prekären, Liberalität fest — diesen Eindruck gewinnt man als Besucher.

Einsame Masse:
Budapester Donaukai

Vollkommen afghanisiert

Ein Ungar hat sich einen Afghanen gekauft (ihr habt sie schon gesehen: rassige Vierbeiner mit langen Haaren). Es läutet. Vor der Tür zwei Sowjetsoldaten: „Sie haben uns gerufen. Wir werden ihn spazierenführen.“

Der Witz ersetzt im Osten die Oppositionszeitungen. Immerhin konnte ich aber in einem Budapester Hotel die International Herald Tribune kaufen. Auf der Straße kriegt man westliche KP-Organe: Volksstimme, Morning Star, allerdings nur selten die Unità. Die ungarische Intelligenz, die sich aus dem westlichen Radio informiert, ist jetzt vollkommen „afghanisiert“.

Ein Witz nach einem Kino-Werbespot: Der Kreml und die Budapester Fernsehreparaturgenossenschaft haben eine Vereinbarung getroffen: Ihr ruft uns zu Hilfe, wir kommen sofort, Telefon 56-68-79.

Wie stark ist die Opposition? Der Schriftsteller György Konrad, im Westen durch seine Romane „Der Besucher“ und „Der Stadtgründer“ bekannt, hielt im November 1979 einen Vortrag an der Budapester Uni. Er sagte ungefähr: „Die politische Führung muß endlich draufkommen, daß man die Opposition nicht unterdrücken kann, daß sie sich organisiert und übrigens, man arbeitet schon dran!“

Die Oppositionelle, die mir das erzählt, seufzt: „Wenn man die wirkliche Lage kennt, kann man nur drüber lachen, aber den Studenten hat das gefallen, für sie ist es eine Riesenhetz!“

Einer wirft ein: „Die ’56 erlebt haben, denen steckt eine Riesenangst in den Knochen, aber die unter 40 sind tapfer.“

Sie: „Ja, aber nachher halten sie ein, und jeder wartet auf den großen Schlag.“ Beweis: als Sacharow nach Gorki verbannt wurde, wagte in Ungarn niemand zu protestieren oder gar zu demonstrieren. Zwei Monate zuvor hatte sich die ungarische Opposition zur größten Aktion seit Jahren aufgerafft, zu einem Protest gegen den Dissidentenprozeß in Prag (Havel, Uhl und andere).

Am 25. und 29. Oktober wurden Resolutionen an Parteichef Janos Kadar und Staatspräsident Pal Losonczi geschickt, in denen die Freilassung der tschechoslowakischen Menschenrechtskämpfer verlangt wurde; insgesamt unterschrieben 254 Intellektuelle (einer war Tankwart, aber sein erlernter Beruf ist Philosoph). Drei bekannte ungarische Intellektuelle, György Bence, Janos Kenedi und Janos Kis sandten der Charta 77 einen offenen Brief:

Wir sind Ungarn, Bürger eines Staates, dessen Armee an der Besetzung der Tschechoslowakei teilnahm. Wir fühlen eine besondere Verantwortung für alles, was in diesem Staat seit 1968 geschieht. Wir gehören einer Generation an, die sogar die Lektion des ungarischen ’56 erst durch das Beispiel des tschechoslowakischen ’68 lernen konnte. Uns hat 1968 politisch erwachsen gemacht, und so ist Eure Sache zu unserer persönlichen Angelegenheit geworden!

Was geschah mit den Leuten, die unterzeichnet haben? Soweit angestellt, wurden sie zu einem Gespräch mit einem Vorgesetzten eingeladen. Eine Lehrerin erzählte mir anhand eines Gedächtnisprotokolls, wie sich das abspielte:

Kadar hat mich beauftragt ...

Die Schuldirektorin begleitete sie zum Leiter der Unterrichtsabteilung der Stadt Budapest (in Wien würde man sagen: zum Stadtschulratspräsidenten). Er heißt Mezei, und sein Sohn hatte den Brief auch unterschrieben. Er begann mit der Frage:

„Was glauben Sie wohl, ist der Grund dieses Gesprächs?“

Die Lehrerin: „Ich weiß nicht, wahrscheinlich geht es um meine Gehaltserhöhung.“

„Sie haben einen Brief unterschrieben. Haben Sie alle drei Briefe unterschrieben?“

„Nein.“

„Warum nicht auch den von Kenedi, Kis und Bence?“

„Tatsache ist, daß ich ihn nicht unterschrieben habe. Als was verhören Sie mich hier?“

„Sie haben einen Brief geschrieben, und der Adressat hat mich beauftragt, der Sache nachzugehen und den Leuten zu antworten.“

„Was beweist mir, daß Sie so einen Auftrag haben?“

„Glauben Sie mir, daß es so ist. Haben Sie sich vorgestellt, daß Sie eine persönliche Antwort bekommen werden? Außerdem bin ich Ihr Vorgesetzter. Er ist halt neugierig, was das für Menschen sind. Warum habt ihr Kadar einen Brief geschrieben? Es gibt so viele Menschen, für die ihr euch interessieren könntet. Der Bürgermeister von Nablus zum Beispiel — warum haben Sie bei seiner Verhaftung nicht geschrieben?“

„Es ist noch gar nicht sicher, ob ich nicht schreiben werde.“

„Dieser Brief ist, bevor er bei Kadar ankam, in den Westen gelangt.“

„Das ist nicht wahr, schlimmstenfalls zur gleichen Zeit.“

„So war es nicht.“

„Beweisen Sie, daß es nicht so war.“

„Das hier ist keine Disziplinarverhandlung. Wäre es eine, dann würde ich den Beweis führen. Ich habe vorige Woche schon mit vielen Menschen in dieser Sache gesprochen. Ich habe den Eindruck, daß es hier eine organisierte Opposition gibt, alle antworten das gleiche. Sie zum Beispiel waren sehr steif, als Sie hereingekommen sind. Ich wollte etwas auflockern, aber leider ist es mir nicht gelungen. Also sprechen wir von ihrem Leben, wie fühlen Sie sich? Ich möchte Sie kennenlernen.“

„Ich lebe sehr schlecht. Ich habe keine Wohnung, ich lebe zusammen mit meinem Mann bei meinen Schwiegereltern in einem Zimmerchen. Mein Vater hat mir geraten, ich soll keine Lehrerin werden. Ich war sehr dumm. 3.850 Forint verdiene ich im Monat.“

„Ja, da kann man nicht reich werden.“

Die Direktorin wirft ein: „In Ihrer Stufe ist das gar nicht so wenig.“

Die Lehrerin: „Wenn ich jetzt, ich bin Mitte Dreißig, meine Sachen zusammenpacken müßte, würden sie in einem Koffer Platz haben.“

Der Stadtschulratspräsident: „Wir haben ’56 erlebt, wir wollen so was nicht noch mal erleben. [1] Ihre Aktion war für unser Land schädlich, sie wurde für feindliche Propaganda gegen Ungarn benützt.“

„Von wem? Meines Wissens hat die Agence France Presse darüber berichtet.“

„Ich denke da an Radio Freies Europa.“

„Ich kann nichts dafür, woher Radio Freies Europa seine Nachrichten bekommt. Ich verstehe nicht, daß Sie AFP für eine feindliche Agentur halten.“

„Sie sollten verstehen, ich will Sie doch nur gewinnen.“

„Ich bin schon ganz gewonnen.“

„Aber (lacht) es ist nicht gleichgültig wofür.“

Der Leiter beendet das Gespräch, indem er ihr „Alles Gute“ wünscht.

Wurde diese Lehrerin entlassen? Erhielt sie Berufsverbot? Mitnichten, sie bekam sogar eine Gehaltserhöhung von 150 Forint.

Kecskemet:
Jugendfadesse in der ungarischen Provinz

Zerbrecht den Spiegel nicht!

Seit 5 oder 6 Jahren hat das Regime keinen bekannten Oppositionellen mehr verhaftet. [2] Wenn Arbeiter im Wirtshaus randalieren, über die Zustände schimpfen, sperrt man sie ein. Oder Studenten in der Provinz. Das macht so 200-300 Fälle im Jahr.

Zwei Studenten der Universität in Szeged nahmen die Spiegel-Serie des Nagy-Ministers Kopacsi über seine Erlebnisse 1956 auf Band, als sie in Radio Freies Europa vorgelesen wurde. Die Polizei fand die Bänder und stellte die Studenten vor die Wahl, entweder von der Uni zu fliegen oder als Spitzel zu arbeiten.

Straßenszene im Oktober 1979 in Budapest: Der Physiker György Göndör, ein Unterzeichner der Tschechenpetition, stellt sein Auto ab und besucht einen Mitunterzeichner. Als er zurückkommt, findet er seinen Wagen 50 Meter weiter, total zertrümmert. „Unbekannte“ haben das Fahrzeug mit einem Vehikel ohne Nummernschild angebumst, erfährt Göndör später von Augenzeugen. Die Polizei wartet beim Wrack, interessiert sich aber mehr für seinen Besuch als für den Unfall.

Das Protokoll war später weder beim Bezirkspolizeikommissariat noch beim Verkehrsamt auffindbar. Die 9.000 Forint Reparaturkosten mußte Göndör selber berappen. Der Physiker, der als Programmierer in einem schlecht bezahlten Job arbeiten muß, hatte schon tagelang Überwachungsmaßnahmen gemerkt. Die anonym gebliebenen Verfolger hatten sich in einem Straßenladen gegenüber seinem Wohnhaus einquartiert, in einem Strickwarengeschäft ...

Wer sich zu sehr als Dissident hervortut, verliert in der Regel seinen Job. Diese Menschen müssen dann von ihren Freunden leben, meistens wandern sie schließlich aus (was gar nicht leicht zu erreichen ist). Zum Unterschied von ihren tschechischen Kollegen müssen die ungarischen Intellektuellen nicht zur Schaufel greifen. Viele sind jetzt im Ausland, zum Beispiel Agnes Heller, Maria Markus, Istvan Kemeny, Miklos Haraszti, Ivan Szelenyi ...

Man muß aber gerechterweise sagen, daß Ungarn — nach Polen — das Land mit der relativ größten Diskussionsfreiheit im Osten ist.

Von oben bewußt gesteuert, wie der ungarische Kulturminister Imre Pozsgay in einem Interview mit einer ungarischen Zeitung sagte (Kritika, Dezember 1979):

„Wird sich die Politik wegen der gespannten gesellschaftlichen Lage wieder verkrampfen?“

Minister Pozsgay: „Die Möglichkeit besteht. Ich halte unsere Politik für klug genug, nicht so zu reagieren.“

„Wird nicht ein starker Druck auf dem ideologischen Bereich lasten?“

Minister Pozsgay: „Ich will der Frage nicht ausweichen. Wir müssen diesen Kampf auf der geistigen Ebene austragen, dieses Prinzip möchte ich betonen. Man darf die Enthüllung eines Fehlers nicht mit dem Enthüller identifizieren. Wenn der Spiegel uns verzerrt zeigt, so lösen wir das Problem nicht, indem wir ihn zerschlagen.“

In der nächsten Nummer derselben Zeitschrift (Kritika, Jänner 1980) wird diese Diskussion selbst in einem Artikel als „Zeichen einer gesellschaftlichen Erschütterung“ gedeutet und ausdrücklich eine Parallele zum Sommer und Herbst 1956 hergestellt, also der Zeit vor dem ungarischen Volksaufstand: „Konkret ist es Ausdruck einer Situation, in der die Kritik schon nicht mehr zum Schweigen gebracht werden kann aber die Kräfte, weiche die Kritik üben, noch nicht in der Lage sind, die entsprechenden Korrekturen in der politischen Machtsphäre durchzusetzen.“

Das alte Leninsche Revolutionskriterium lautete, daß die oben nicht mehr können und die unten nicht mehr wollen. Im Augenblick, da hat der Kritika-Autor recht, ist es eher wie im ungarischen Chauvi-Politwitz zwischen dem Impotenten und der Frigiden: „Oben“ kann man nicht mehr, und „unten“ läßt man sich’s gefallen, obwohl es keinen Spaß macht.

Zensur von innen

In Ungarn gibt es keine offizielle Zensurinstitution wie das Moskauer „Gilawlit“. Die Zensur wird verinnerlicht; wie im Westen besteht sie in der Haltung der Medienfunktionäre. Der Journalist Janos Kenedi hat 1978 eine Sammlung von Artikeln aus dem letzten Jahrzehnt hergestellt, die in den ungarischen Zeitschriften nicht erscheinen durften. Der Band mit dem Titel „Profil“ enthält 34 Artikel aus den Gebieten Philosophie, Kunst, Soziologie, Politik und umfaßt rund 1.000 Seiten — maschinschriftliche Durchschläge, denn er wird im Rahmen des Samisdat vervielfältigt. Während aber im alten Samisdat die Autoren anonym blieben, treten sie jetzt mit vollem Namen hervor: Haraszti, Markus, Hegedüs, Rajk (der Sohn des hingerichteten Außenministers, ein Architekt) u.a. In der Sowietunion wurde im Jänner 1979 übrigens das ungarische Beispiel nachgeahmt: Almanach Metropol, 500 Seiten Gedichte, Essays, Artikel, hergestellt von einer Gruppe um den Dichter Andrej Vosnessensky.

„Profil“-Herausgeber Kenedi erklärt in seinem Vorwort, wie die Zensur in Ungarn funktioniert. Man sagt dem Autor nicht: „Ihr Artikel geht gegen das Regime“, sondern: „Ihr Manuskript paßt nicht in unsere Blattlinie.“ Man versucht dann, den Schreiber zu einem taktischen Vorgehen zu überreden. Etwa so:

„Was, diesen Artikel sollen wir jetzt drucken, wo Ihr Buch nach jahrelangen Mühen endlich herauskommen kann? Der Artikel würde Ihr Buch gefährden.“

Oder: „Ausgerechnet jetzt sollen wir das bringen, wo die Wiederwahl von X beim kommenden Kongreß gefährdet ist? Ihr Artikel wäre doch ein Trumpf in den Händen von Y! Nicht daß ich von X begeistert wäre, aber Sie sind doch sicher mit mir einig, daß X besser ist als Y.“

Das Gefängnis draußen

Da Ungarn dem Westen am nächsten ist, wirkt sich der Konkurrenzdruck auch auf die Medien aus. Radio Kossuth steht in hartem Konkurrenzkampf mit Radio Free Europe, und da kommen dann recht interessante Sendungen zustande. Als die Sowjetunion von 104 Staaten in der UNO für ihren Afghanistaneinmarsch verurteilt wurde, war das den Ungarn immerhin eine Radiomeldung wert.

Eine Frau wird interviewt (9. Februar, 16 Uhr, Wochenmagazin „168 Stunden“): Weil sie schwanger ist, kriegt sie keine Arbeit. Ein Ministerialbeamter muß sich rechtfertigen: Warum ist das so? Er wiegelt ab: Ein wirklich guter Betrieb müßte weiter denken, die Frau für spätere Zeiten behalten ...

Ein anderes Interview (16. Februar): Eine 19jährige Studentin wird über ihre Abtreibung befragt. Warum hat sie nicht die Pille genommen? Sie: „Um an die Pille zu kommen, muß ich zum Bezirksarzt gehen, wo ich wohne. Der nimmt immer fünf Frauen zugleich ins Sprechzimmer. Unter den fünfen ist auf jeden Fall eine, die meine Familie persönlich kennt, und da soll ich über meine intimsten Probleme reden? Die geht dann womöglich zu meiner Mutter ...“

Eine Fernsehdiskussion im Februar, live; es geht um den Film „Sonntagseltern“, der von Mädchen in einem Erziehungsheim handelt. Sagt ein Junge: „Was regen sich die Leute auf wegen Gittern in der Besserungsanstalt? Schaut hinaus, draußen ist genauso ein Gefängnis!“

Die ungarischen Verlage drucken ausländische Literatur, Musils „Mann ohne Eigenschaften“, „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus, Hans Magnus Enzensberger, von den jüngeren Österreichern Helmut Zenker, Barbara Frischmuth, in den Zeitschriften Artikel und Interviews von und mit Karl Popper, Jürgen Habermas, auch mit Exilungarn wie György Ligeti (ein Komponist, der in Wien lebt), dem Labour-Ökonom Lord Kaldor usw.

Die Kritik, die in den Zeitungen zugelassen ist, dreht sich hauptsächlich um Wirtschaftsdinge. Im Zigarettenladen gibt’s Lieferschwierigkeiten: Die Waren sind im Magazin liegengeblieben — das ewige Verteilungsproblem (Nepszabadsag vom 9. Februar). Die Arbeiter gehen schon am Vormittag in die Kantine: Sie konnten nicht frühstücken, es gab kein frisches Brot. Wörtlich: „Die Empfindlichkeit der Bevölkerung in Wirtschaftsfragen wächst ... Mehr denn je sind die Menschen verärgert, wenn etliche sie durch luxuriösen Lebenswandel provozieren“ (Nepszabadsag vom 4. Jänner).

Als die 52. Wochenschau 1979 lief (in der Weihnachtswoche) und Kadar dort in einem Interview sagte: „Wer bei uns arbeitet, der bringt’s auch zu was!“, wurde in den Kinos schallend gelacht. Zu frisch war die Erinnerung an die Preiserhöhungen vom Sommer.

Preise von Weltniveau

Damals, in der Nacht zum 23. Juli 1979, wurden Armee, Polizei und Arbeitermiliz mobilisiert, selbst Gewerkschaftsfunktionäre mußten die Nacht in ihren Büros verbringen. An diesem Tag traten folgende Preiserhöhungen in Kraft: Brot um die Hälfte, Fleisch um 30 Prozent, Zucker um 23 Prozent, Kohle um 25 Prozent, Strom um 51 Prozent, Heizöl um 23 Prozent.

Nach offiziellen Angaben hatten die Ungarn 1979 eine Inflationsrate von 9 Prozent und einen Reallohnverlust von 1 bis 2 Prozent zu verkraften. Der Inlandsverbrauch sank um 4 Prozent; die Landwirtschaft stagnierte, die Industrieproduktion blieb mit 2,5 bis 3 Prozent Steigerung hinter dem Plan (4 Prozent) zurück. Für 1980 wird eine Reallohnerhöhung von 0,8 Prozent versprochen.

Die Gewerkschaften haben im vergangenen Herbst bereits Einschränkungen bei den Arbeitern festgestellt: nicht lebensnotwendige Anschaffungen werden zurückgestellt (Möbel, Autos, Hausbau).

Warum funktioniert die ungarische Wirtschaft so schlecht? Der frühere Ministerpräsident (1955-56) Andras Hegedüs, 58, sagte dazu vor kurzem in einem Interview (Wiener Tagebuch, Jänner 1980): „In der Presse beruft man sich vielfach auf die fehlende Arbeitsdisziplin, aber ich sehe als wichtigstes Problem, daß sich im Wirtschaftsleben bürokratische Gebilde entwickelt haben, welche sich jeder Kontrolle, auch durch die Partei, entziehen. Diese Gebilde fressen einen Großteil unserer Investitionen auf. Die Bevölkerung, ja selbst die Regierung weiß nicht, wie groß die Verschwendung ist.“ Ein Statistiker sagte mir: „Unsere größte Ausbeutung ist die Verschwendung.“

Zentralisierung ist auch ein militärisches Prinzip. Ein Budapester Wirtschaftsfachmann erklärte mir das Geheimnis dieser schwerfälligen Struktur: „Das Ganze kann jeden Tag auf Rüstung umgestellt werden — das ist das Rationale dran. Die Leiter interessieren sich nicht, ob effektiv gearbeitet wird oder nicht. Sie können nicht entscheiden, woher sie Material und Maschinen nehmen, wohin sie verkaufen.“

Wie auf Rüstung umgestellt wird? Die Arbeitermiliz marschiert ein, ihr Kommandant wird Direktor. Mit einer Textilfabrik wurde es geprobt, die stellt dann Uniformen her.

Konsumproduktion ist nach Einschätzung dieses Ökonomen das, was die Rüstung übrig läßt: „Wir produzieren den Mangel. Die Arbeiter müssen die Lücken füllen — als Konsumenten wie als Produzenten.“

Geschichten über Fehlplanungen sind Legion. Die nationale ungarische Erdölgesellschaft hat hundert Leute zur Bedienung eines Computers angestellt; sie warten inzwischen schon fünf Jahre auf die Lieferung der Anlage. Viele dieser Pannen gehen auf die enorme Staatsverschuldung gegenüber dem Westen zurück, die Devisen für den Import werden knapp.

Der Elektronikkonzern Videoton mußte die Erzeugung von Farbfernsehern einstellen, weil er wichtige Bestandteile nicht mehr importieren kann. Autoreifen für den vielgefahrenen DDR-Wagen „Trabant“ werden nicht mehr erzeugt, die ungarische Fabrik macht lieber Lastwagenreifen, die sind einfacher und profitabler; man muß also, da die DDR nicht genug liefert, Semperitreifen aus Jugoslawien importieren, die kosten das Doppelte.

An den Zeitungen wird das Problem vom System auf die Menschen abgeschoben:

Es gibt Waren, die weder in die Auslage noch aufs Verkaufspult kommen. Gegen Trinkgeld wandern sie unter der Budel zum Käufer. Was sind das für Waren? Wovon nicht genug da ist, woraus Schlauheit und Gewinnsucht Mangelware macht, das wandert unter die Budel. Unter die Budel kommt auch etwas, das mehr wert ist als noch so viele Waschmaschinen, Farbfernseher, Elektroboiler oder Reifen für 900.000 Autos: die Arbeitskraft, die Arbeitsleistung ...

(Magyar nemzet vom 12. Februar 1980)

Die zentralisierte Produktion hat auch einen Herrschaftsaspekt: je zentralisierter die Wirtschaft, um so führender die Rolle der Partei. Ich hege den Verdacht, daß dieser Umstand auch für die Begeisterung verantwortlich ist, mit der sich die Führer in Osteuropa für Atomenergie engagieren, denn Atomkraftwerke bewirken ihrerseits technisch-ökonomische Ballungen (Ungarn will in einem Jahr seinen ersten Atomkraftwerksreaktor in Paks an der Donau anfahren).

Arm & Reich in Ungarn:
Zigeuner (links [hier: oben]), Parteichef Kadar (mit Suslow in Moskau, März 1957)

Forintmillionäre

Auf der anderen Seite will man mit Wirtschaftsreformen für Elastizität in den Lücken sorgen. Daran erinnert man sich alle 5 Jahre: Wie 1968 und 1974 hat man im vergangenen Jahr wieder etwas für den privaten Sektor getan, der nach offiziellen Angaben 3 Prozent der Bevölkerung umfaßt (59 Prozent sind Arbeiter, 25 Prozent Angestellte und Intellektuelle, 13 Prozent Genossenschaftsbauern). Es handelt sich um private Händler, Tourismusunternehmer und Bauern, die, wie man hört, bis zu 1.200.000 Forint im Jahr versteuern (60 Prozent Abgaben). Die Erfolgreichsten fahren im eigenen Mercedes vor; man erkennt sie an der Farbe: nur die Partei- und Staatsspitzen benützen schwarze Mercedes (Breschnew hat die Kutsche im Osten salonfähig gemacht).

Der Privatsektor ist gar nicht so unwichtig, er erfüllt seine wesentliche Versorgungs- und Exportaufgabe. Kinowochenschau, Mitte Februar: Man sieht eine private Nebenwirtschaft mit dutzenden Rindern, eine andere mit vielen Schweinen: „Die Familie hat immer mehr Arbeit, aber sie lebt gut. Auch für das Land ist es gut.“ Die Taubenzucht wird propagiert: Arbeiter, Bauern, Hausfrauen, Studenten sollen die Tiere züchten. „Es bedeutet Valuten für unser Land.“

In einer Budapester Auslage sehe ich ein Schild: „386.800 Forint.“ Oho! Ich blicke auf: ein sowjetischer Traktor, mächtiges Ding. Über dem Geschäft steht: „Agrotröst.“ Wer kann in Ungarn sowas kaufen, wer hat so viel Geld? Ich gehe hinein und frage den Verkäufer. „Hier kaufen Privatbauern, die haben, sagen wir, 10 Kühe, brauchen eine Melkmaschine ...“ Der Verkaufsraum ist angefüllt mit Modellen, wie ein Spielzeuggeschäft, und vor den Modellen kleine Preisschilder mit hohen Ziffern: 200.300 Ft. für einen Traktor, eine Egge ganz billig um 10.900, ein Traktor samt Mähdrescher um 1.342.400 — für Forintmillionäre ...

Der Reformkurs, der mit Jänner 1980 in Kraft getreten ist, bedeutet aber nicht nur Preiserhöhungen („Anpassung an den Weltmarkt“), sondern überhaupt einen Wechsel des Systems vom Prinzip „Subventionierung der Grundbedürfnisse“ in Richtung „Kostendeckende Preise“. Also Schluß mit billigen Mieten, Verkehrs- und Stromtarifen, Grundnahrungsmitteln, die bisher der Stolz des Ostens in jedem Systemvergleich waren.

Wenn man die Durchschnittspreise von anno 1900, wie sie im Museum für die Geschichte der Arbeiterbewegung in der Budapester Burg auf einer Tafel dargestellt sind, mit den heutigen vergleicht, so hat sich der Arbeitsaufwand eines Durchschnittsverdienerss für Konsumwaren gar nicht so sehr geändert: der Preis (in Arbeitsstunden ausgedrückt) ist gleichgeblieben bei Schweinefleisch (3,5 Stunden) und Eiern (7 Minuten); er hat sich bei anderen Waren nur wenig verbessert: 25 Minuten für einen Liter Milch (gegen 30 Minuten anno 1900), ein Maßanzug 40 Stunden (gegen früher 48). Nur in einem Punkt ist der Unterschied eklatant: bei der Miete ist das Verhältnis heute zu 1900 1:32 zugunsten Kadars!

Armut im Überfluß

Der Lebensstandard der Ungarn ist paradox. Man kann in Budapest überall Fleisch und Orangen bekommen, die Supermärkte haben westlichen Zuschnitt (und sind genauso unangenehm). Kleidung und technische Güter sind zu teuer, also stürzt sich alles ins Essen und Trinken („Saufen ist hier ein Massensport“, sagte mir ein Student). Ich hatte den Eindruck, die Ungarn erlebten gerade ihre Freßwelle, wie Westeuropa vor drei Jahrzehnten ...

In der Zwischenkriegszeit hieß Ungarn „Land der drei Millionen Bettler“ (von zehn). Das ist es heute nicht mehr. Die drei Millionen betteln nicht. Aber es gibt noch Armut, und dieses Faktum wird verdrängt. Arm sind Saisonarbeiter und Zigeuner (in den offiziellen Publikationen geben sie das pittoresk-folkloristische Element ab).

Der Soziologe Istvan Kemeny hat die Armut in Ungarn untersucht und bezeichnete ein Drittel der ungarischen Bevölkerung als „arm“, genauer gesagt 32 Prozent per Jahresanfang 1968, wobei er die Armutsgrenze für eine 3köpfige Familie mit einem Monatseinkommen von 2.640 Forint festlegte. Das sind Leute, die unter der Woche kein Fleisch essen und bei denen ein Mittagessen, wenn’s hoch kommt, aus Suppe und Gemüse besteht.

1971 gab’s 320.000 Zigeuner in Ungarn, von denen zwei Drittel (62 Prozent) zu den Armen gehörten. Ganz abgesehen davon, daß ihnen auch nicht die Rechte einer ethnischen Minderheit gewährt werden.

Kemenys Studie wurde nach ihrer Fertigstellung 1972 unter Verschluß genommen und gilt als Staatsgeheimnis. Er ging ins Exil und publizierte im Herbst 1978 eine Zusammenfassung in der Pariser Irodalmi ujsag (Ungarische Literaturzeitung).

Ungarns Annäherung an den Westen weckt Töne, die man sonst nur von Kapitalistenknechten hört; z.B. die Außerung eines Vorarbeiters einer Autowerkstatt: „Würde dieser Betrieb mir gehören, würde ich nur 20 Prozent der Arbeiter brauchen.“

Der Chef der ungarischen Gewerkschaften, Sandor Gaspar, sagte in einer Betriebsversammlung der Budapester Tungsramwerke 1979, daß hinkünftig zwar weiter das Recht auf Arbeit gesichert bleibe, aber: „Es kann nicht garantiert werden, daß jeder dort arbeiten kann, wo er will.“ Das ist einer der Standardsätze von Bruno Kreisky ...

Etliche Betriebe der Leichtindustrie, vor allem in der Textilbranche, werden zusperren müssen. Der Generalsekretär der ungarischen Handelskammer, Dr. Gerd Biro, sprach bei einem Vortrag in Wien im Dezember sogar von einer „sozialistischen Art von Pleiten“! Die Betriebe sollten mehr Bewegungsfreiheit bekommen (z.B. das Außenhandelsrecht, ohne Bevormundung durch den Staat), die besseren Unternehmen sollten höhere Löhne zahlen dürfen („Gewinnbeteiligung“) und dadurch Arbeiter von den schlechteren Betrieben abziehen, die man eben zusperrt. Die Rolle des Gewinns soll aufgewertet werden. Kein Wunder, daß das Wiener Unternehmerblatt Die Presse dieser Politik in einer Glosse mit dem Titel „Viel Erfolg!“ Beifall spendete (15. Dezember 1979).

Computer oder Arbeiterräte?

Fragt man die ungarischen Dissidenten nach der Wirtschaftsreform ihrer Wahl, so kriegt man von der simplen Rückkehr zum Kapitalismus bis zur Arbeiterselbstverwaltung alles serviert. Jeder Arbeiter soll die Maschine übereignet kriegen, an der er arbeitet, sagte mir einer. Aber wenn sie sie dann verkaufen? wende ich ein. Die Bauern verkaufen auch nicht ihren Boden; die Arbeiter könnten sich ja nach Werkshallen zu Genossenschaften zusammenschließen; wichtig sei nur die Zerschlagung der großen Einheiten.

Mit einer jungen Ökonomin, die im Planungsamt arbeitet, diskutiere ich über die Anwendung mathematischer Methoden. Was sie von Leontieffs Input-Output-Analyse halte, der Professor sei doch schließlich aus der Sowjetunion gekommen und sein Grundschema stamme von Marx; ob denn dieses Matrizentableau, das den Austausch zwischen den Wirtschaftssektoren darstellt, nicht besonders gut für die Planung mittels Computer geeignet sei?

Sie schüttelt den Kopf. Alle Ziffern schwimmen, niemand weiß, wie die verschiedenen Größen zu bewerten sind. Alle Preise sind willkürlich. Die Lenkungsmethoden ändern sich alle 3-5 Jahre. Wie soll man kontrollieren, was eine Fabrik mit ihrem Geld macht? Der Effekt der Investitionen ist nicht meßbar. Die Rückmeldungen sind bürokratisch verfälscht. Es werden z.B. Arbeiten gemeldet, die nie gemacht wurden.

Also zurück zum Geld als alleinigem Maßstab? Zurück zum Kapitalismus?

Die Reform ist ja schon fast kapitalistisch, lautete die sibyllinische Antwort.

Ein Wirtschaftsfachmann sagte mir: „Unsere Statistik ist wie ein Mädchen im Bikini: Sie zeigt viel, aber das Wesentliche wird verdeckt.“

Gemäßigte Reformer wie Andras Hegedüs glauben, daß man die Reform aus dem System heraus entwickeln kann, indem man z.B. bei den „Sozialistischen Brigaden“ ansetzt und ihre autonomen Elemente weiterentwickelt in Richtung Mitbestimmung bzw. Selbstverwaltung. Angesichts der gegenwärtigen Wirklichkeit, wo die Sozialistischen Brigaden ein Instrument der Antreiberei sind, ein utopisch anmutender Gedanke.

„Tausende von Sozialistischen Brigaden haben angekündigt, daß sie den Parteitag durch Extraschichten am 22. und 29. März begrüßen und den Gegenwert ihrer Arbeit für Einrichtungen zum Wohle der Kinder spenden werden“, jubelt das Parteiorgan Nepszabadsag am 10. Februar. Man stelle sich vor: 1.800 Bergarbeiter fahren in die Gruben, 2.000 Erdölarbeiter bohren Löcher in den Boden usw. — alles gratis, in der Freizeit!

Ich sprach mit einer technischen Angestellten, die Mitglied einer Sozialistischen Brigade ist. Sie sagte, wir nennen es „Kommunistischen Samstag“. Der Betrieb baut z.B. Wohnungen, da buddeln Ingenieure in der Erde, oder man putzt den Arbeitsplatz. Und das bei einer Normalarbeitszeit von 44 Stunden in der Woche. Im kommenden Planjahrfünft soll die Fünftagewoche eingeführt werden, aber ohne Zeitkürzung, das heißt also: neunstündiger Arbeitstag! Das Brigadetagebuch enthält auch Kulturaktivitäten, die werden eingetragen, selbst wenn niemand im Theater oder Kino war.

Ein Element der Arbeiterautonomie kann man allerdings im Largieren sehen, das im Osten allgemeines Brachtum ist. Montags blau! Auf der Tür zu meinem Frühstückslokal sah ich mehrmals einen Zettel: „Erst ab 11 Uhr geöffnet. Wir bitten um Entschuldigung!“

Liberale Staatspartei?

„Man muß sich mehr auf die Kollektive am Arbeitsplatz stützen“, sagt auch die Parteiführung in ihren „Thesen zum 12. Parteitag der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei (USAP)“, der Ende März abgehalten wird. Die Partei sieht das Problem freilich von der anderen Seite, vom Standpunkt des Ausbeuters: „Die Reform der Betriebsdemokratie soll sichern, daß die arbeitenden Menschen dazu beitragen können, die Arbeit zu verbessern. Die Gewerkschaften sollen in der Zukunft aktivere Organisatoren des Arbeitswettbewerbs sein.“

Man muß freilich anerkennen, daß die USAP in der Praxis liberaler ist als die meisten anderen Ostblockparteien. In den „Thesen“ heißt es ausdrücklich, daß „mit Ausnahme der Parteifunktionen alle Funktionen von Parteilosen ausgefüllt werden können“ (Kadars altes Wort: Wer nicht gegen uns ist, ist für uns). Weiters wird der „selbständige und schöpferische“ Weg betont, auf dem man sich bewege.

In einem Punkt ist die USAP sogar liberaler als die polnische PVAP: in ihrer Haltung gegenüber den Juden. Von den 600.000 ungarischen Juden haben 200.000 Hitlers Holocaust überlebt, rund 100.000 leben noch in Ungarn, hauptsächlich in Budapest. Es gibt 30 Synagogen, die größte ist ein Riesenholzkasten, in den 3.500 Menschen reingehen. Der Portier erzählt, daß zu den jüdischen Feiertagen 5.000 Gläubige kommen. Davor ein Eisengitter aus Davidsternen. Das jüdische Museum ist im Winter geschlossen, weil man es nicht heizen kann. Warum kann man die anderen Museen heizen?

Das Museum für die Geschichte der Arbeiterbewegung in der Burg ist geheizt. Dort sieht man in einer Vitrine eine historische Tafel: ein fetter Jude mit Stürmer-Nase sitzt auf seinem „Latifundium“, und frißt, während die armen Ungarn auswandern müssen, zu den Schiffen strömen ... Eine andere Abbildung zeigt die drei größten ungarischen Kapitalisten, mit ihrem Vermögen am Zylinder — zufälligerweise alle Juden.

Draußen, auf der Balustrade vor dem Schloß, ein Gedenkstein; er trägt nur einen einzigen Namen: am 26. Jänner 1945 wurde hier eine kommunistische Widerstandskämpferin erschossen — Eva Braun. „Vermutlich eine Jüdin“, meint mein Übersetzer.

Bisher hat es die Führung vermieden, den polnischen Weg zu gehen und die Unzufriedenheit auf die „Zionisten“ abzulenken. Ein latenter Antisemitismus ist aber in der Bevölkerung spürbar. Ein Taxichauffeur erzählt einen antisemitischen Witz. Gelegentliich kann man Bemerkungen hören wie „Ein ehrlicher Christ kommt hier zu nichts“.

Im Arbeitermuseum sind am Schluß alle im Bild vereint, Juden und Nichtiuden, Sozialdemokraten und Kommunisten. Da ist Anna Kethly neben György Marosan, Matyas Rakosi neben Imre Nagy. Die Abteilung über das Jahr 1956 schließt mit einem Plakat: eine große Faust schwebt über einer Gruppe Arbeiter, Aufschrift: „Sei stark, Proletariat!“ Um die Ecke beginnt die Neuzeit, das nächste Ausstellungsobjekt ist bereits ein Computerterminal.

„Wie wird die Leninkörut (der Leninring) in 20 Jahren heißen?“ — „Weiß nicht.“ — „Was heißt Sie wissen nicht, Sie haben also kein Vertrauen in unser System!“ — „Was hätte ich denn antworten müssen?“ — „‚Leninkörut‘ natürlich ...“

[1Diese Meinung ist kein Privileg der Führer, auch eine biedere Museumswärterin sagte mir: „Wenn es hier Unruhen gab, endete das immer in Blut, und es wäre schon gut, hier einmal in Frieden zu leben.“

[2Vgl. das Interview mit Miklos Haraszti im FORVM Mai/Juni 1979

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