Streifzüge, Heft 1/2003
März
2003

Nachgedachtes und Vorausgesetztes

Robert Kurz hat ein neues Buch vorgelegt. Darin beschreibt er den Zustand des abendländischen Denkens, wie er sich angesichts der Krise, in der sich der globale bürgerliche Zusammenhang befindet, darstellt. Das Buch entfaltet das journalistische und polemische Talent seines Autors, wo es darum geht, die Aporien und Widersprüche der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung zu geißeln, zugespitzte Stumpfsinnigkeiten und apologetische Geisterbeschwörungen an Hand der bekannten Schulen zu denunzieren und einen Ausblick auf den Totentanz der Selbstvernichtung zu werfen, der als wahrscheinlichste Alternative gemalt wird, sofern dem Selbstläufer Kapitalismus nicht in den Arm gefallen wird. Kurz verfasst seine Philippika gegen eine bürgerliche Geselligkeit, die sich nicht mehr im Bann hält und ihre zerstörerischen Potenzen entfesselt; am Vorabend eines Kriegs ist dieses Buch entstanden, gerade rechtzeitig, um den Verfall der staatlichen Garantien der bürgerlichen Existenz zu kommentieren. Legalität und Verfassung – auf nationaler wie diplomatischer Ebene – spielen keine Rolle mehr. Gesatztes Recht wird durch die Proklamation ersetzt. Die Menschenrechte setzen die Gesetze außer Kraft und nehmen ihre Stelle ein. Sie garantieren die Versammlungsfreiheiten der Armeen an jedem Ort – fiat justitia pereat mundus.

Nicht zufällig heißt das neue Buch von Robert Kurz „Weltordnungskrieg. Das Ende der Souveränität und die Wandlungen des Imperialismus im Zeitalter der Globalisierung“.

Dennoch ist vor allem der Untertitel etwas irreführend, denn die Polemik, die Kurz entfaltet, richtet sich nicht nur gegen den Imperialismus, sondern auch gegen das, was sich „Linke“ nennt, und „das Ende der Souveränität“ könnte getrost auch dieser Linken zugeschrieben werden – was Kurz ja auch tut. Und so ersteht diese „Linke“ denn auch als dem bürgerlichen Universum zugehörig, als Fleisch von diesem Fleisch, nicht nur in demokratischen Modernisierungen, nicht nur in republikanischen Versprechungen, sondern auch im imperialen Todestrieb.

Was Kurz in seinem Buch vor allem anspricht, ist das einheitliche Vorgehen von Imperialismus und verdemokratisierter Linken, erscheine sie nun im Mönchsgewand der inquisitorischen Verteidigung oder in der Narrenkappe der Klassenkämpfer, die sich rühmen, noch jede weitere Ausdehnung der imperialistischen Macht und neue Anwendung und Strukturierung ihrer Mittel sei einem zuvor errungenen Erfolg im Klassenkampf — nein, nicht einmal dies —, einem gerade so hinlänglichen Widerstand zu verdanken.

Es wird diese Buchbesprechung eine sein, die sich mit dem befasst, was Kurz ausgelassen hat, aus journalistischer Verkürzung wie auch aus verlängerter Polemik. Befassen werden wir uns mit dem Vorausgesetzten und Mitgedachten. Da ist zunächst ein terminus, der immer wieder auftaucht: „die Krise der dritten industriellen Revolution“, „der unbewältigbar gewordene globale Krisenkomplex“. Dies wird bei Kurz nicht weiter erklärt, sondern als in der Debatte bekannt vorausgesetzt. Nun ist der Begriff der Krise zwar bei der Beschreibung der bürgerlichen Reproduktion kein unbekanntes Phänomen, er taucht aber in der Regel als zyklischer Durchgang auf, als Reinigung, als Krisis im medizinischen Sinn, als Chance der Weiterentwicklung. Dies ist umso sonderbarer, als das bürgerliche Weltbild kein zyklisches ist; der eigenen Bewegung wird nur die eine Richtung zu mehr Fortschritt, zu Reproduktion auf höherer Stufenleiter, zu immer mehr Reichtum und Durchsetzung der bürgerlichen Vergesellschaftung erlaubt und zugesprochen. Sollte es doch zu einem Stillstand kommen, dann ist dieser immer auch in der Folge dahingehend mystisch verklärt, dass mit der linearen Bewegung zum Besseren und schließlich Besten auch die zyklische Bewegung zur Korrektur verschwindet, im erlösten Zustand also beide Bewegungen der bürgerlichen Gesellschaft aufgehoben erscheinen.

Diese bestätigende Sicht der Dinge hat sich auch das, was sich Linke nennt, zu eigen gemacht: Sie sieht in der Krise konjunkturelle Durchgänge in der Organisation der kapitalistischen Reproduktion. Weil sie gelernt hat, dass der Kapitalismus seine Krisen hat, sucht und sieht sie die Krise als Beweis der Lebendigkeit dieses Systems von gesellschaftlicher Organisation und Reproduktion. Und weil es weiter besteht (trotz und gerade wegen seiner Krisen), besteht auch die Linke weiter als regulierende Antwort, als ausgleichendes Element, als Verdopplung einer zyklischen Stabilisierung.

Als umso ketzerischer muss also aufgenommen werden, dass in der marxistischen Tradition es immer eine Tendenz gab, die die lineare Fortschrittsbewegung nicht als eine zum Besseren der Menschheit sah, nicht zu einer Erfüllung der Menschheitsgeschichte, sondern diese Erfüllung von der Überwindung eben dieser Gesellschaftsformation abhängig machte. Noch häretischer war es, auch die Krisen nicht als notwendige Durchgangsstadien, Entwicklungkorrekturen und Marktbereinigungen zu sehen, sondern in ihr immer schon die Bruchlinien zu sehen, an denen die Reproduktion zum Erliegen kam. Und immer schon war diese Vorstellung einer Bruchlinie, einer inneren Schranke mit der Vorstellung eines Kapitalismus verbunden, der nicht Herr seiner selbst war, sondern ein selbstreferenzielles System, das auf die eine oder andere Weise sein Absterben hinauszögert.

Es sind diese Begriffe von finaler Krise, die nun auch Kurz verwendet und argumentiert. Auch er behauptet einen Kapitalismus, der sich seiner Grundlagen begeben hat: bei Kurz ist es der Verlust der Ausbeutungsfähigkeit.

Nun ist allerdings ein Problem, dass für einen Großteil der so genannten Linken die Krise noch immer als ein Datum aufgefasst wird. Das bedeutet, dass Krise einfach wie ein Schwarzer Freitag daherkommt, wie ein Börsenkrach, der sich an Hand der Selbstmordfälle und der verlorenenen Vermögen empirisch festmachen lässt. So ist aber Krise in der Tradition einer von Marx hergeleiteten Krisentheorie (Marx in seiner dunklen prophetischen Sicht, Luxemburg mit ihrem Festmachen am momentanen barbarischen Ausbruch und ihrer Forderung nach sofortigem Sozialismus nebst Gutem Leben, Adorno, der angesichts einer von ihm beschriebenen Gesellschaft die Alternative Sozialismus oder Barbarei nicht mehr sieht und die übrig gebliebene Barbarei beklagt, Kurz in einer aktuellen Sicht, die das Publikum auffordert, angesichts seiner Zeugenschaft das Erleben der ersten Anzeichen eines finalen Untergangs in Engagement zu übersetzen und Stellung zu beziehen) – dieser Krisenbegriff also immer nur so abzuleiten, dass aus dem gegebenen – und zwar immer schon gegebenen – Prozessieren der Wertverwertung sich seine barbarische Seite enthüllt. Dies heißt eben nicht, dass ein Umkippen ab einem gewissen, empirisch festzustellenden Datum dingfest gemacht wird; vielmehr heißt es: zu jedem Zeitpunkt des verwertenden Prozessierens sind wir damit konfrontiert, dass sich die Unmöglichkeit, sich in dieser Welt gütlich einzurichten, enthüllt. Genaueres, historisch Verfolgbares steht in Kurz’ „Schwarzbuch des Kapitalismus“. [1]

Jedenfalls ist die Crux die, dass in diesem Zusammenhang Krise nicht verstanden werden kann als ein Hereinbrechendes, ein Menetekel, das zum Sturz des einen Tyrannen führt und Platz für seinen dynastischen Nachfolger schafft. Krise wird hier immer gefasst als die dunkle Seite des Kapitalismus, als das stets einlösbare Versprechen seiner barbarischen Zerstörungspotenz und deren Gewalt, sich der zivilen Fesseln zu entledigen. [2] So also wird Krise im Zusammenhang mit der polemischen Diskussion, die Kurz im Buch vom Weltordnungskrieg entfaltet, zu einem prozessierenden Verhältnis, das nur noch nach sinnlichem Erleben, nicht aber nach wissenschaftlicher Empirie verlangt. Überhaupt entzieht sich ein so gefasster Krisenbegriff dem empirischen Nachweis. Wenn etwa Kurz (in seinen Artikeln und im „Schwarzbuch“) behauptet, die Krise der dritten industriellen [3] Revolution sei als finale gekennzeichnet dadurch, dass die ausgestoßene, wegrationalisierte Masse an vorrevolutionärer Arbeitskraft nicht mehr durch die neue Organisation von toter Arbeit auf höherer Stufenleiter eingesogen, wettgemacht und überkompensiert werden könne, um einen neuen Produktivitätszyklus in Kraft zu setzen, dann ist dies empirisch nicht nachvollziehbar und nicht beweisbar (genauso wenig wie eine andre Beschreibung krisenhafter Phänomene, zum Beispiel der tendezielle Fall der Profitrate. Immer handelt es sich bei diesen Beschreibungen um theoretische Extrapolationen erfahrener Unzulänglichkeiten – der Arbeitslosigkeit, des Konkurses, der Armut).

Andrerseits ist die herkömmliche Beschreibung des Fordismus – bezogen auf seine Produktivität, sein Wirtschaftswunder und auf den nicht eingetretenen Fall seiner Finalität [4] – auch erst als Prophezeiung aus dem schon bekannten Geschehen her möglich. Schlichtweg angenommen, der Kalte Krieg hätte seinen Verlauf nur ein bisschen anders genommen; etwa dass Glenn Ford nicht so gut gelandet wäre wie Juri Gagarin, hätte unsere heutige Gegenwart in eine andre Richtung führen können mit dem ganzen gelobten Fordismus, und die vaticinatio ex eventu würde heute anders aussehen.

Plötzlich wären Marshall-Plan und Wirtschaftswunder faux-frais gewesen, um Vietnam wäre nie gekämpft worden etcetera etcetera. Natürlich ist dieses Argument ein dummes, und ich will mich in Konjunktive nicht weiter vertiefen. Mir geht es hier nur darum, angesichts sogetaner Kontingenzen nicht unbedingt aus einem Geschehenen eine einzige unabdingbare Notwendigkeit als einzig Mögliches (noch dazu ex eventu) her zu leiten. Dieses damals Geschehene war nicht determiniert in dem Sinn, dass heute daraus Destilliertes schon damals nur das nun bekannte Ergebnis und sonst keins hätte zeitigen können.

Anders gesagt: wer die Welt in der Epoche des Fordismus betrachtet und daraus eine finale Krise erschlossen hätte, hätte nicht weniger Zustimmung oder Ablehnung als Kurz heute zu erfahren gehabt. Dies etwas polemisch zur Kritik der Finalität der Krise und in dieser polemischen Haltung zugegebener Maßen verkürzt; aber aus dem gesamten Kontext der Diskussion lässt sich zweierlei Krisenbegriff herausschälen: einerseits Krise als zyklische Wiederkehr innerhalb der linearen Fortschrittsbewegung der bürgerlichen Gesellschaft, nur dazu angetan, innerhalb dieser linearen Bewegung Reinigungs- und Umbruchsdaten zu liefern, Marken der Entwicklung eben. [5] Andrerseits gibt es den elaborierten Begriff einer Krise, der sich nicht von datierten Konjunktureinbrüchen herleitet, sondern von den Zumutungen, die, aus und mit der fetischistischen Vergesellschaftung entstanden und als Struktur in wandelbarer Erscheinung immer vorhanden, Gutes Leben und eine maßvolle Reproduktion der Leute zugunsten maßloser Reproduktion der Werte verunmöglichen. Was als Krise in diesem Zusammenhang beleuchtet wird, hat daher auch den Charakter des Legitimationsverlusts – in die Krise gerät nicht nur das System, sondern auch der Konsens.

Was Kurz also in seiner Polemik als krisenhafte Entwicklung der dritten industriellen Revolution bezeichnet, ist der prozessierende Charakter des gesamten Kapitalismus in seiner Totalität. Was dabei als finaler Charakter bezeichnet wird, ist die Einsicht in Widersprüche und Aporien, die ein Funktionieren dieser Produktions- und Vergesellschaftungsweise, gemessen an gelungener Reproduktion und Gutem Leben, als unmöglich erscheinen lassen. Was als empirische Beschreibung Kurz dabei anbietet, gemessen an der Entwicklung von Börsenkursen, Arbeitslosenstatistiken und fallierenden Nationalökonomien, ist nicht das Material, das eine Prophetie über den Untergang des Systems untermauert. Vielmehr ist es der Hinweis darauf, dass Gutes Leben und gesicherte Reproduktion ohne Wachstum [6] denkbar und möglich sind, und wir uns um unsrer selbst willen mit dieser Vorstellung vertraut machen müssen. So enthält der Begriff der finalen Krise auch ein Moment des Programmatischen, aus Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat.

Keinesfalls aber müssen wir uns finale Krise so denken, dass wir jetzt dem Zusammenbruch der bürgerlichen Geselligkeit zusehen können, als wäre es ein Lehrstück. Wobei wir zusehen, ist ein Prozess, den die Leute schon immer beobachten konnten. Und wir wollen nicht vergessen: der Untergang der modernen christlichen Antike hat sich über wenigstens zwei Jahrhunderte gezogen und wurde im Bewusstsein der Damaligen höchst unterschiedlich interpretiert, wenn auch die Zeitzeugenschaft an der langen Katastrophe, am schleichenden Verfall unbestritten war. Rom ist auch nicht an einem Tag zerstört worden. Ein anderer Bezug, der in Kurz‘ Philippika fehlt — wie eine Darstellung, was unter finaler Krise zu verstehen ist —, ist der auf die Leute selbst. Die Menschen tauchen in seiner Polemik nur auf als Erscheinungsformen ihrer bürgerlichen Vergesellschaftung, ihrer Geselligkeit: sie treten nur auf und werden wahrnehmbar im Konsens (oder als Opfer dieses Konsenses). Diesen Konsens zu demaskieren und zu destruieren, unternimmt Kurz. Insofern richtet sich sein Buch hauptsächlich an „Linke“, durchaus auch in diesem abgelutschten Sinn, auch um zu zeigen, wo die traditionelle Linke seit ihrer sozialdemokratischen Geburt gelandet ist (oder schon immer war). Die Hauptstoßrichtung dieser Argumentation geht aber nicht dahin, ein neues Subjekt revolutionärer Affenliebe zu suchen, zu finden und zu präsentieren. Hier geht es nur um die Abstoßung von der bürgerlichen Subjektform selbst (so weit dies in einer Polemik gelingen kann, die selbst im Rahmen dieser Subjektformgebundenheit daherkommt) und um die Abstoßung von einem Teil des bürgerlichen Subjekts in Gestalt der „Linken“.

Es verweist nun auf den Zustand dieser „Linken“, dass auch sie empirisch nicht gefasst werden kann. Sie ist amorph als Begriff und als Gebilde, und das erlaubt dann eben nur einen Text, der eine Äußerung einer Strömung oder Schule nach der anderen herausnimmt und auf ihren argumentativen Gehalt hin untersucht. Wenn Kurz dann zur Klarstellung kommt, einig ist die „Linke“ nur in der Demokratie, wie immer auch die jeweiligen Positionen in der bürgerlichen Konkurrenz besetzt werden, dann demaskiert er diese „Linke“ als dieser demokratischen Veranstaltung der bürgerlichen Verfasstheit und Geselligkeit zuordbar.

Es erklärt sich auch der spezifisch argumentative, polemische Charakter dieses Rundumschlags dadurch, dass es keine vermittelnde und vermittelbare Stellung zu einem einmal erkannten Übel geben kann. Insofern erhebt sich natürlich die Frage nach der eigenen Stellung verknüpft mit der Frage nach der Stellung der aus dem Reproduktions- und Organisationszusammenhang Geworfenen. Die Frage bleibt im Buch unbeantwortet, oder nur negativ aufgelöst. Manchmal taucht an den Rändern der Argumentation wie ein Blitz ein kurzer Ausblick auf ein Jenseits auf: „Weltkibbuz“ steht irgendwo – als Ahnung hingeworfen, nicht argumentiert und nicht durchdacht. Aber die Frage nach unsrer Position wird vielleicht gerade dadurch angesprochen, dass die Antwort nebelhaft ist. Da schwingt etwas vom Guten Leben und von der Gemeinschaft mit.

Da schwingt etwas mit von einem Paradigmenwechsel: wenn alle Erscheinungen der Subjekte – seien sie auch klassen- und standesmäßig konstituiert – als konsenstragende und -bildende Form gelesen werden müssen, die in ihrer Konsensfähigkeit schon so weit gehen, die widersprüchlichsten Parameter, was Stand, Geschlecht, Geschichte, Tradition, Interessen, Ansprüche, Gesundheit, Ernährung betrifft, in ihrer mehrheitsfähigen, Mehrheiten erheischenden Gestalt in sich zu vereinen; wenn das so ist, dann kann die Überwindung dieser Gesellschaftsformation nicht durch ein einziges, besonders ausgezeichnetes Segment dieser Gesellschaft gedacht werden.

Der Ansatzpunkt wird also nicht mehr die Frage nach dem Subjekt der Umwälzung sein (alle oder niemand, im Prinzip), sondern nach dessen Objekt; nicht wer, sondern was. Hier wird die lebensweltliche Dimension so eines in den Text eingestreuten „Weltkibbuz“ deutlich. Es wird gefragt werden müssen nach dem Inhalt von Gutem Leben. Es wird gefragt werden müssen nach Geschwindigkeit und Entwicklung in Form von Gemächlichkeit, nach Kommunikation in Form von Rückkopplung und Redundanz, nach Reichtum in Form von Verschwendung und Luxus. Es wird gefragt werden müssen, ob und wie Probleme einer Lösung zugeführt werden sollen. Ist – beispielsweise – der demokratische Terror des Mehrheitsentscheids samt Minderheitenschutz erst einmal gebrochen, wird ein entstehendes Problem gar nicht mehr danach verlangen, durch demokratischen Bescheid, bürgerliche Exekution und Verantwortung und anschließende Evaluierung bewältigt zu werden unter Garantie der Einspruchsrechte der Anrainer und unter Berücksichtigung der volkswirtschaftlichen Interessen. Ganz allgemein traue ich mich zu sagen: die Dichitomie von Problemstellung und -lösung wird aufgehoben werden können zugunsten eines work in progress, in dem die Hierarchie der Problemstellung ebenso verschwindet wie die beschließende Mehrheit zugunsten einer prozessierenden Einhelligkeit das Feld räumen wird. Dass eine sogetane Gesellschaftsformation sich nicht nur mehr Zeit nehmen, sondern auch mehr Zeit haben wird, versteht sich dann von selbst.

Ich bin über die Besprechung des Buches „Weltordnungskrieg“ von Robert Kurz hinaus gegangen, als Rezensent habe ich das Thema verfehlt. Das liegt am Buch. Interessant ist der Hintergrund, auf dem es verfasst wurde.

[1Lektüre empfohlen, keine Absicht der Werbung damit verknüpft, eher das Angebot auch eines Vergnügens der Lektüre, Stil und Inhalt besser und interessanter als im „Weltordnungskrieg“, sinnliche Freude nicht nur an Polemik sondern auch an persönlicher gemeinsamer Teilhabe von Autor und Publikum; inhaltliche Einschränkung, Warnung und gefällige Ermahnung: das Buch verknüpft über das oben im Text von mir Gesagte hinaus den Begriff der Krise auch noch mit der Verunmöglichung des Guten Lebens durch die kapitalistische Vergesellschaftung. Und flugs erhält der Krisenbegriff noch die Dimension der sinnlichen Erfahrbarkeit; nicht die kapitalistische (ökonomische) Reproduktion ist in Frage gesellt, sondern im Gegenteil – um diese zu gewährleisten – deine eigene. Und das trifft auf jede Epoche zu, das Kapitel von der ursprünglichen Akkumulation gilt in saecula saeculorum.

[2Wenn es je einen Sinn gehabt hat — das Gerede vom Faschisten, den es in uns zu entdecken gibt —, dann genau in diesem Zusammenhang.

[3Rsp. der informationstechnologischen, mikroprozessierenden, bioreproduzierenden; wir sehen, der Begriff ist gar nicht mehr so sehr an ein alleiniges wissenschaftliches und gesellschaftliches Substrat gebunden.

[4An den Fordismus war immer eine doppelte Erscheinung des Proletariats gebunden: zum einen das Proletariat, das endlich versorgt im Wohlstand lebt, zum anderen das Proletariat, das endlich wie ein Mann aufsteht und die massierten Produktionsmittel übernimmt (vor dem Weltkrieg) oder sie durch die Bestreikung der Massenfabrik ad absurdum führt (nach dem Weltkrieg).

[5In dieser Sicht ist auch mit einem Ende der bürgerlichen Bewegung zum Fortschritt als einem Erreichen des Ziels der Geschichte verbunden, dass Krisen nicht mehr existieren können und verschwinden müssen – das Ende der Geschichte also sich nicht als Überwindung, Überschreitung, Transzendenz darstellt, sondern als Erfüllung, Vollendung.

[6In diesem Zusammenhang möchte ich auf eine von mir des Öfteren geäußerte Mutmaßung verweisen, dass die Entwicklung der sinnlichen Fähigkeiten schon längst abgeschlossen ist (spätestens seit dem Ende des 17. Jahrhunderts). Es besteht also keinerlei reproduktive Notwendigkeit mehr, den Lebensgenuss an die erweiterte Reproduktion einer sich selbst verwertenden Wirtschaft zu binden und Bedürfnisse zu wecken, die weder zu befriedigen sind noch eine Notwendigkeit an der Lebenswelt darstellen. Ebenso ist heute die Entwicklung des Wissens über Natur und Kunst gar nicht mehr an die Freude am Wissen und Gestalten gebunden, sondern dieser Verbindung von Sinnessucht und Ökonomie untergeordnet – auch hier also die Reproduktion von den Leuten auf die Maschine umgekuppelt.

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