Angela Davis
Beiträge von Angela Davis
FORVM, No. 217

Aufstand der Häftlinge

■  Angela Davis
Januar
1972

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FORVM, No. 230/231

Schwarze Frau kontra weißen Mann

Notizen zur Sklavenhaltergesellschaft
■  Angela Davis ▪ Irma Reblitz (Übersetzung)
März
1973

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FORVM, No. 256

Gefangen in New York

Eine ganz gewöhnliche Haftanstalt im Herzen der westlichen Zivilisation
■  Angela Davis
April
1975

Am 13. Oktober 1970 verhaftete das FBI Angela Davis nach zweimonatiger Verfolgungsjagd unter der Beschuldigung des Mordes, der Entführung und der Verabredung zum Mord im Zusammenhang mit ihrer angeblichen Rolle in der Schießerei im Gerichtsgebäude von Marin County. Bevor Angela nach Kalifornien (...) Sie wollen diesen Text online lesen?
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Angela Davis (2010)

Angela Yvonne Davis (* 26. Januar 1944 in Birmingham, Alabama) ist eine US-amerikanische Bürgerrechtlerin, Philosophin, Humanwissenschaftlerin und Schriftstellerin. In den 1970er-Jahren wurde sie zur Symbolfigur der Bewegung für die Rechte von politischen Gefangenen in den USA. Sie gehörte zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren zu den prominenten Führungsmitgliedern der Kommunistischen Partei der USA.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angela Davis entstammt einer schwarzen Mittelschichtfamilie. Aufgrund ihrer Begabung bekam sie als 15-Jährige ein Stipendium des American Friends Service Committee für die Elisabeth Irwin High School (auch bekannt als Little Red School House), eine Privatschule in New York. Hier kam sie zum ersten Mal mit dem Marxismus in Berührung und schloss sich dem kommunistischen Zirkel an ihrer Schule an.

Ab 1961 studierte sie an der Brandeis University in Waltham, Massachusetts, französische Literatur und ebenso ab 1962 ein Jahr in Frankreich an der Sorbonne.

Ihr elterlicher Wohnbezirk in Birmingham wurde ab den 1960er-Jahren Ziel zahlreicher Bombenanschläge gegen schwarze Bürgerrechtler („Dynamite Hill“). 1963 starben bei einem Brandanschlag des Ku-Klux-Klan auf die Baptist Church – dem sogenannten 16th-Street-Baptist-Church-Bombing – in Birmingham vier Mädchen, die Davis kannte.

An der Brandeis University besuchte Davis Vorlesungen von Herbert Marcuse, schloss ihr Erststudium 1965 magna cum laude ab und wurde bei der Studentenverbindung Phi Beta Kappa aufgenommen.[1] Auf Marcuses Vermittlung studierte sie ab September 1965 in Frankfurt (Main) Philosophie und Soziologie, unter anderem bei Theodor W. Adorno und Max Horkheimer. In Frankfurt schloss sie sich dem SDS an und nahm an Protestaktionen gegen den Vietnamkrieg teil. Davis folgte Marcuse an die University of California, San Diego und schloss ihren Masterstudiengang 1968 ab.[2]

Lehre und politische Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Kämpfe der schwarzen Bürgerrechtsbewegung trat sie nach ihrer Rückkehr aus Frankfurt im Sommer 1967 dem Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC) bei und wurde kurzzeitig Mitglied der Black Panther Party. Im Juni 1968 wurde Angela Davis Mitglied im Che-Lumumba-Club, einem Kreis afroamerikanischer Mitglieder der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA). Den SNCC verließ sie, da dort ihre Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei zum Problem wurde.

Ab 1969 war sie als Dozentin an der University of California, Los Angeles, beschäftigt, doch wurde ihr Vertrag 1970 gekündigt, als ihre Mitgliedschaft in der CPUSA bekannt wurde.

Von 1975 bis 1977 lehrte Davis African American studies am Claremont College und später women’s and ethnic studies an der San Francisco State University.

1980 und 1984 bewarb Davis sich für das Amt der US-Vizepräsidentin mit dem kommunistischen Präsidentschaftskandidaten Gus Hall. Beide erreichten 0,05 bzw. 0,04 % der Stimmen.

1991 begründete Angela Davis zusammen mit anderen Linken (u. a. Pete Seeger) und ehemaligen CPUSA-Mitgliedern das Committees of Correspondence for Democracy and Socialism. Sie bezeichnet sich jedoch nach wie vor als Kommunistin.

Davis übersetzte das 1983 auf Deutsch erschienene Lichtblicke von Wolfgang Schivelbusch für die amerikanische Ausgabe Disenchanted Night.

Davis ist emeritierte Professorin an der University of California in Santa Cruz in den Abteilungen History of Consciousness und Feminist Studies.[3]

In ihrem Wohnort Oakland (Kalifornien) unterstützt Davis seit Herbst 2011 die Occupy-Bewegung, so mit einer Rede anlässlich des Generalstreiks vom 2. November 2011. Anlässlich ihres Aufenthaltes in Berlin zur Verleihung des Preises zum Blue Planet Award am 18. November 2011 besuchte sie das Camp der Occupy-Bewegung am Bundespressestrand. Außerdem ist sie Sprecherin der Kampagne gegen die Todesstrafe.

Im Dezember 2013 trat Davis die erste Angela-Davis-Gastprofessur für internationale Gender- und Diversity-Studies[4] des Cornelia Goethe Centrums an der Universität Frankfurt am Main an.[5]

Schwerpunkt ihrer Arbeit der vergangenen Jahre ist die Untersuchung des „Gefängnis-Industrie-Komplexes“, vor allem in den USA, die Verbindungen zwischen Unterdrückung aufgrund des Geschlechts, der Rasse und der Klasse nachzuweisen sucht.

Davis unterstützt die anti-israelische BDS-Bewegung. Das Birmingham Civil Rights Institute in Birmingham (Alabama) stornierte die Vergabe eines Menschenrechtspreises an sie wegen ihrer BDS-Unterstützung.[6]

Anklage wegen „Terrorismus-Unterstützung“ und Freispruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erich Honecker überreicht Davis am 11. September 1972 die Einladung für die Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1973 in Ost-Berlin

Dem bereits seit seinem 18. Lebensjahr in Haft sitzenden George Jackson, der im Gefängnis Mitglied der Black Panther Party wurde, schlug Davis vor, ein Buch über seine Haftbedingungen zu schreiben, was er mit Soledad Brother auch tat. Im August 1970 lieferte sich Jacksons Bruder Jonathan bei einem missglückten Befreiungsversuch in einem Gerichtssaal eine Schießerei mit der Polizei, bei der vier Menschen getötet wurden. Davis wurde vorgeworfen, die Waffe für diesen Überfall besorgt zu haben, da diese auf ihren Namen gekauft worden war.

Das FBI setzte Angela Davis daraufhin auf die Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher der USA. Einige Wochen später wurde sie verhaftet. Ihr drohte wegen des Vorwurfs der „Unterstützung des Terrorismus“ die Todesstrafe. Gegen ihre Verhaftung entwickelte sich eine über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinausreichende Welle des öffentlichen Protests. So schickten ihr tausende Menschen aus der DDR unter dem Motto „Eine Million Rosen für Angela Davis“ Postkarten mit Rosen ins Gefängnis.[7] Bei ihrer vorläufigen Entlassung aus dem Gefängnis in San Jose am 24. Februar 1972 nach Hinterlegung einer Kaution sprach sie mit dem Ost-Berliner Sonderberichterstatter Horst Schäfer, der sie persönlich auch im Namen vieler Menschen aus der DDR beglückwünschte.[8] Nach zweijähriger Prozessdauer wurde Davis am 4. Juni 1972 in allen Punkten der Anklage freigesprochen. Anlässlich der entscheidenden Gerichtssitzung fand in der Bundesrepublik Deutschland in Frankfurt am Main der Kongress „Am Beispiel Angela Davis“ statt.

Kritik von Alexander Solschenizyn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der russische Dissident und Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn kritisierte Davis’ Sympathie für die Sowjetunion und bezichtigte sie der Blindheit gegenüber der Misshandlung politischer Gefangener im Ostblock, unter anderem in seiner Rede vor dem AFL-CIO (dem US-Gewerkschaftsverband) vom 9. Juli 1975 in New York. Ihm zufolge hatte eine Gruppe tschechischer Dissidenten an sie appelliert. Davis habe sich geweigert, für diese einzutreten. Davis habe geantwortet: „Sie verdienen das, was sie bekommen. Lasst sie im Gefängnis bleiben.“[9] Angela Davis bestritt diese Aussage.[10]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angela Davis lebt offen lesbisch. Sie erwähnte ihre Homosexualität 1997 im Gespräch mit der Zeitschrift Out.[11]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1971 widmete „The Prophet of Soul Larry Saunders“ der inhaftierten Angela Davis eine 7"-Maxi-Single, auf deren A- und B-Seite der insgesamt fast siebenminütige Titel „Free Angela“ zu hören war (Label: Golden Triangle Records, re-released 2003).
  • 1971 erschien beim Plattenlabel pläne die Solidaritäts-Single Rettet Angela Davis (Musik: Peter Gutzeit/Text: Willy Sterna) der Folk-Gruppe Die Liedermacher.
  • 1972 erhielt Angela Davis während ihres ersten Besuches in der DDR als bisher einzige Frau die Ehrenbürgerwürde der Stadt Magdeburg.
  • 1972 widmeten ihr John Lennon (Angela auf dem Album Some Time in New York City) sowie die Rolling Stones (Sweet Black Angel auf dem Album Exile On Main Street) Songs.
  • 1972 schrieb Franz Josef Degenhardt das Lied Angela Davis, das auf dem Album Mutter Mathilde zu finden ist.
  • 1972 erschien das Lied Oh Angela, das Davis’ Wirken preist, auf dem Album Das Gewitter von Uve Schikora.
  • 1979 wurde sie mit dem sowjetischen Lenin-Friedenspreis ausgezeichnet.
  • 2004 erhielt sie den "Menschenrechtspreis" der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde.
  • 2006 erhielt sie den Thomas Merton Award für Frieden und soziale Gerechtigkeit.
  • 2011 erhielt sie von der Stiftung ethecon den Blue Planet Award für „herausragendes Engagement bei Rettung und Erhalt unseres blauen Planeten“.
  • 2012 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Brüssel.[12]
  • 2020/2021 widmet die Dresdener Kunsthalle im Lipsiusbau Angela Davis eine Sonderausstellung 1 Million Rosen für Angela Davis[13]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • If They Come in the Morning: Voices of Resistance. 1971
  • Frame Up: The Opening Defense Statement Made. 1972
  • Angela Davis. An Autobiography. 1974
  • Women, Race & Class. 1981
    • Rassismus und Sexismus. Schwarze Frauen und Klassenkampf in den USA. Übersetzt von Erika Stöppler. Elefanten Press, Berlin 1982, ISBN 3-88520-093-7.
  • Violence Against Women and the Ongoing Challenge to Racism. 1985
  • Women, Culture and Politics. 1989
  • Blues Legacies and Black Feminism. Gertrude „Ma“ Rainey, Bessie Smith, and Billie Holiday. 1999
  • The Angela Y. Davis Reader. 1999
  • Are Prisons Obsolete? 2003
    • Eine Gesellschaft ohne Gefängnisse? Der gefängnisindustrielle Komplex der USA. Schwarzerfreitag 2004, ISBN 3-937623-32-9.
  • Abolition Democracy – Beyond Empire, Prisons, and Torture. 2005
  • Freiheit ist ein ständiger Kampf. Unrast Verlag, Münster 2016, ISBN 978-3-89771-222-5

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angela Davis Solidaritätskomitee: Am Beispiel Angela Davis. Der Kongreß in Frankfurt. Reden, Referate, Diskussionsprotokolle. Fischer, Frankfurt am Main 1972, ISBN 3-436-01603-9.
  • Johanna Meyer-Lenz und Nina Mackert: Angela Davis: Zur Konstruktion einer afroamerikanischen politischen Identität im Kontext der 68er-Bewegung. In: Burghardt Schmidt (Hrsg.): Menschenrechte und Menschenbilder von der Antike bis zur Gegenwart. DOBU Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-934632-10-6, S. 255–276.
  • Regina Nadelson: Who is Angela Davis? The biography of a revolutionary. Yaden, New York 1972.
  • Marc Olden: Angela Davis. An Objective Assessment, 1973.
  • Walter Kaufmann: Unterwegs zu Angela Davis. Vorwort von Victor Grossman. Atlantik, Bremen 2005, ISBN 3-926529-96-2.
  • Klaus Steiniger: Angela Davis: Eine Frau schreibt Geschichte. Verlag Neues Leben, Februar 2010, ISBN 978-3-355-01767-1.
  • Bitsch und Baer: Angela Davis. Buch und DVD in der Reihe Bibliothek des Widerstands, LAIKA-Verlag. Hamburg März 2010, ISBN 978-3-942281-71-3.
  • Sophie Lorenz: „Heldin des anderen Amerikas“. Die DDR-Solidaritätsbewegung für Angela Davis, 1970–1973. In: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 10 (2013), S. 38–60.
  • Sophie Lorenz: „Schwarze Schwester Angela“ – Die DDR und Angela Davis. Kalter Krieg, Rassismus und Black Power 1965–1975. transcript, Bielefeld 2020, ISBN 978-3-8376-5031-0.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angela Davis, der Kampf geht weiter. (OT: Angela Davis, le combat continue.) Dokumentarfilm, USA, Frankreich, 2010, 40:10 Min., Buch und Regie: Shola Lynch, Produktion: De Films en Aiguille, REALside Productions, arte France, deutsche Erstsendung: 9. März 2014 bei arte, Inhaltsangabe von arte.
  • Angela Davis – Eine Legende lebt. Dokumentarfilm, Deutschland, 1998, 79 Min.
  • Angela Davis – Portrait of a Revolutionary. Dokumentarfilm, USA, 1972, 60 Min., Buch und Regie: Yolande Du Luart, Inhaltsangabe von NYT.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Angela Davis – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angela Yvonne Davis: Waters. In: Angela Davis: An Autobiography. International Publishers, New York City March 1989, ISBN 0-7178-0667-7.
  2. https://web.cortland.edu/nagelm/papers_for_web/davis_assata06.htm; abgerufen am 26. März 2020
  3. Website der UC, Santa Cruz, abgerufen am 26. Januar 2014.
  4. Angela Davis Gastprofessur für internationale Gender und Diversity Studies – Cornelia Goethe Centrum. Abgerufen am 21. November 2018 (deutsch).
  5. Veranstaltungsprogramm, bei Uni Frankfurt
  6. Vgl. Angela Davis Speaks Out on Palestine, BDS & More After Civil Rights Award Is Revoked, democracynow.org, 11. Jan. 2019
  7. Goethe-Universität Frankfurt: Angela Davis lehrt an Goethe-Uni. In: Frankfurter Rundschau vom 4. Dezember 2013.
  8. Jetzt erst recht solidarisch mit Angela. In: Neues Deutschland (ND) vom 25. Februar 1972; Nachricht (ADN, ND) über die vorläufige Haftentlassung von Angela Davis.
  9. Aleksandr Solzhenitsyn: Warning to the West. Farrar, Straus and Giroux, New York 1976, ISBN 0-374-51334-1, S. 60–61.
  10. Angela Davis, Q&A after a speech: Engaging Diversity on Campus: The Curriculum and the Faculty. East Stroudsburg University, Pennsylvania, 15. Oktober 2006.
  11. Katherine E. Horsley: Angela Davis (englisch, auch auf Deutsch verfügbar) FemBio. 24. Januar 2014. Abgerufen am 9. Juli 2015.
  12. Auskünfte einer marxistisch Geprägten. In: RotFuchs, September 2012, S. 7. (PDF, 1,2 MB)
  13. Ausstellung 1 Million Rosen für Angela Davis