Götz Eisenberg

Geboren 1951, ist Sozialwissenschaftler und Publizist. Er ist Mitinitiator des Gießener Georg-Büchner-Clubs. Eisenberg arbeitet an einer „Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus“, deren dritter Band unter dem Titel „Zwischen Anarchismus und Populismus“ 2018 im Verlag Wolfgang Polkowski in Gießen erschienen ist.

Beiträge von Götz Eisenberg
Streifzüge, Heft 72

Wozu Identität?

■  Götz Eisenberg
April
2018

Jeder Charakter ist ein Irrtum. (Friedrich Hebbel) Ich kenne durchaus keine ‚Identitätsprobleme‘. Dass ich ‚Ungar‘ bin, ist um nichts absurder, als dass ich ‚Jude‘ bin, ist nicht ein Stück absurder, als dass ich überhaupt bin. (Imre Kertész) Alle Welt ist auf der Suche nach Identität. Das Bedürfnis (...)

Streifzüge, Heft 76

Vom Recht auf Stille

■  Götz Eisenberg
Juli
2019

Zusammen mit der Zeit wird aber auch Stille zu einem raren Gut. (Lothar Baier) Sollten irgendwann irgendwelche Aliens die verwüstete Erde besuchen und aus unseren Erbstücken rekonstruieren, wer bzw. was wir waren, werden sie wahrscheinlich in ihren Abschlußbericht schreiben: ‚Zwei Dinge konnten (...)

Streifzüge, Heft 76
2000 abwärts

Lackierte Kampfhunde

■  Götz Eisenberg
August
2019

Wenn die männliche Ehre auf dem Spiel steht, ist alles andere egal! Um eine Kränkung abzuwehren, wird notfalls sogar der eigene Untergang in Kauf genommen. Wie gewisse Hunde keine Tiere, sondern das nach außen verlegte Aggressionspotenzial ihrer Besitzer sind, so sind gewisse Autos keine (...)

Streifzüge, Jahrgang 2020

In Wohn-Haft

■  Götz Eisenberg
Mai
2020

Die Corona-Turbulenzen haben dieser Tage aus den Tiefen meines inneren Sprachozeans einen Satz an die Oberfläche des Bewusstseins gespült, auf den ich vor vielen Jahren einmal gestoßen bin und der dann in Vergessenheit geriet. Er stammt von Blaise Pascal, der ihn Mitte des 17. Jahrhunderts (...)

Beiträge zu Götz Eisenberg
Streifzüge, Heft 3/2001

Freiheit und Zerstörung

Oktober
2001

Nach den Anschlägen in den USA bot sich ein ungewohntes Bild: Die einzig verbliebene und hochgerüstete Weltmacht war schutzlos, der Inbegriff von politischer Macht und militärischer Stärke nun plötzlich machtlos, das Symbol wirtschaftlicher Potenz, das World-Trade-Center, nur noch ein rauchender (...)

Grundrisse, Nummer 4

Die 68er Bewegung – Versuch einer Darstellung

Teil 2
Dezember
2002

Die Entwicklung der Bewegung in einigen Ländern Um dem Verständnis der 68er Bewegung näher zu kommen, will ich nun ihren spezifischen Verlauf in Frankreich, Deutschland, Italien und Österreich skizzieren. Eine solche Betrachtungsweise ist schon deshalb unumgänglich, weil nicht wenige Arbeiten und (...)

Götz Eisenberg (* 1951 in Arolsen, Hessen[1]) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler und Publizist. Er arbeitete als Gefängnispsychologe in der JVA Butzbach.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenberg wuchs in Kassel auf. Er legte 1969 sein Abitur an einem dortigen Gymnasium ab. Anschließend studierte er zunächst Jura, dann Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Gießen, wo er auch einige medizinische Fächer z. B. zur Psychosomatischen Medizin belegte. Nach seinem Studium arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und als Lektor in einem kleinen sozialwissenschaftlichen Verlag. 1980 wurde er zum Doktor der Sozialwissenschaften (Dr. rer. soc.) promoviert mit einer Dissertationsschrift zur Geschichte sozialer Bewegungen. Im Anschluss nahm er jahrelang Lehraufträge an der Giessener Universität und der Fachhochschule Wiesbaden wahr. Im Anschluss an eine Ausbildung zum Familientherapeuten erhielt er eine Stelle beim Psychologischen Dienst der JVA Butzbach, wo er von 1985 bis 2016 als Gefängnispsychologe arbeitete. Im Gefängnis führte er zusammen mit dem ehemaligen Nationalspieler Manfred Freisler ein Handballprojekt durch und bemühte sich neben anderen Kulturprojekten um die Durchführung von Theateraufführungen und Lesungen.

Eisenberg schreibt für die Frankfurter Rundschau, die in Berlin erscheinende Wochenzeitung Der Freitag, die Schweizer Wochenzeitung (WOZ), die junge Welt und die in Gießen erscheinende Zeitschrift psychosozial, die NachDenkSeiten[2] das Online-Magazin Auswege. Perspektiven für den Erziehungsalltag.[3] sowie den Blog Hinter den Schlagzeilen[4]. Im Gießener Anzeiger veröffentlicht er seit einigen Jahren die Kolumne „Unser absurder Alltag“.[5] Bis zum 12. Juni 2020 veröffentlichte Eisenberg ein 33-teiliges „Corona-Tagebuch“ im Internet-Magazin der GEW Ansbach.[6]

Seit den frühen 1970er Jahren schreibt Eisenberg theoretische Texte und Essays, die in der Tradition der Kritischen Theorie (Frankfurter Schule) und des antiautoritären Denkens der Neuen Linken stehen. Er bemüht sich unter Berufung auf Erich Fromm, Klaus Horn und Peter Brückner um eine Vermittlung sozialpsychologischer und soziologischer Ansätze. Als einer der ersten Autoren wandte er sich dem Thema „Amok“ zu. Dabei begnügt er sich nicht mit der Suche nach der individuellen Psychopathologie der Täter, sondern fragt nach den gesellschaftlichen Bedingungen, die solche Taten begünstigen. Laut Eisenberg droht der Amoklauf zur „kriminellen Physiognomie des globalen Zeitalters“ zu werden.[7]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fluchtversuche. Über Genesis, Verlauf und schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung, 2., überarbeitete Auflage, Focus, Gießen 1975, ISBN 3-920352-54-8 (1. Auflage, Prolit-Buchvertrieb, Gießen 1973, ohne ISBN).
  • Lenin: Theorie und Revolution, in: Politische Theorien und Ideologien, Hrsg.: Franz Neumann, Baden-Baden 1974 (Signal-Verlag)
  • Marxismus und Arbeiterbewegung. Versuch über das Verhältnis von revolutionärer Theorie und Erfahrung. Focus, Gießen 1974, ISBN 3-920352-48-3.
  • Fuffziger Jahre. Ein Lesebuch. Zusammen mit H.-J. Linke herausgegeben im Gießener Focus-Verlag 1980
  • Über die Lust am Krieg und die Sehnsucht nach Frieden. Zur unterirdischen Geschichte der Feindseligkeit. In: Frieden vor Ort, Hrsg.: Marianne und Reimer Gronemeyer, Frankfurt (Fischer Taschenbuchverlag) 1982
  • Der Tod im Leben. Ein Lesebuch zu einem ‚verbotenen’ Thema. Zusammen mit Marianne Gronemeyer herausgegeben im Giessener Focus-Verlag 1985
  • An den Rändern. Abseitige Texte aus 10 Jahren. Focus, Gießen 1988, ISBN 3-88349-359-7.
  • Jugend und Gewalt. Der neue Generationenkonflikt oder Der Zerfall der zivilen Gesellschaft. Zusammen mit Reimer Gronemeyer, Reinbek 1993 (Rowohlt-Verlag)
  • Amok – Kinder der Kälte. Über die Wurzeln von Wut und Haß. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2000, ISBN 3-499-22738-X.
  • „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“. Zur Sub- und inneren Kolonialgeschichte der Arbeitsgesellschaft. In: Feierabend! Elf Attacken gegen die Arbeit. Hrsg. von: Robert Kurz, Ernst Lohoff, Norbert Trenkle, Hamburg 1999 (Konkret Literatur Verlag)
  • Gewalt, die aus der Kälte kommt. Amok, Pogrom, Populismus. Psychosozial-Verlag, Gießen 2002, ISBN 3-89806-203-1.
  • „Was ist das, was in uns lügt, mordet, stiehlt?“. Zur Psycho- und Soziodynamik zeitgenössischer Tötungsdelikte. In: psychosozial Nr. 104, Gießen 2006
  • Alles mitreißen in den Untergang. In den westlichen Metropolen scheint sich der Amoklauf als ein „Modell des Fehlverhaltens“ zu etablieren. In: psychosozial Nr. 112, Gießen 2008
  • Der Einbau des Zünders in eine Bombe. Gewalt verherrlichende Computerspiele im Gefängnis. In: psychosozial Nr. 113, Gießen 2008
  • Verbrechen und Therapie. Versuch über „Schlüsselerlebnisse“. In: psychosozial Nr. 116, Gießen 2009
  • … damit mich kein Mensch mehr vergisst! Warum Amok und Gewalt kein Zufall sind. Pattloch, München 2010, ISBN 978-3-629-02250-9.
  • Zwischen Amok und Alzheimer. Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-95558-108-4.
  • Zwischen Arbeitswut und Überfremdungsangst. Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus. Band 2, Wolfgang Polkowski, Gießen 2016, ISBN 978-3-9818195-1-9.
  • Es ist besser, stehend zu sterben, als kniend zu leben! No pasarán! Eine Collage zum Spanischen Bürgerkrieg, der vor 80 Jahren begann. Wolfgang Polkowski, Gießen 2016, ISBN 978-3-9818195-2-6.
  • Zwischen Anarchismus und Populismus. Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus. Band 3, Verlag Wolfgang Polkowski Gießen 2018, ISBN 978-3-9818195-3-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag: Götz Eisenberg, Deutsche Digitale Bibliothek.
  2. Auflistung der Eisenberg-Beiträge im Online-Magazin „NachDenkSeiten“.
  3. Auflistung der Eisenberg-Beiträge im Online-Magazin Auswege.
  4. Eisenberg-Beiträge im Blog Hinter den Schlagzeilen..
  5. „Unser absurder Alltag“, Gießener Anzeiger.
  6. Götz Eisenberg: „Corona-Tagebuch“. In: Das GEW-AN Magazin, 31. März 2020 bis 12. Juni 2020.
  7. Götz Eisenberg: Amok – Kinder der Kälte. Über die Wurzeln von Wut und Haß. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2000, ISBN 3-499-22738-X, S. 13.