Hanne Hiob

1923 unter dem Namen Hanne Marianne Brecht als Tochter von Marianne Zoff und Bertolt Brecht geboren, der die Familie jedoch bald verließ. Sie wuchs bei ihrer Mutter und dem Schauspieler Theo Lingen auf. Hiob war Tanzelevin an der Wiener Staatsoper und arbeitete danach als Tänzerin und Schauspielerin in Salzburg. In der Uraufführung von Brechts ’Die heilige Johanna der Schlachthöfe’ spielte sie 1959 unter Gustaf Gründgens in Hamburg die Titelrolle. Sie wirkte an zahlreichen Theatern, unter anderem in München, Hamburg, Frankfurt, Wien und Berlin, und in etlichen Filmen und Fernsehspielen als Schauspielerin mit. 1976 beendete sie ihre Theaterkarriere und betrat die politische Bühne. So prozessierte sie z.B. gegen Bundespräsident Carstens und Kanzlerkandidat Strauß. Immer wieder führte sie in Schulen Lesungen aus Briefen von KZ-Insassen und Diskussionen durch. 2005 wurde Hanne Hiob für ihr Engagement der Aachener Friedenspreis verliehen.

Beiträge von Hanne Hiob
MOZ, Nummer 30
Hanne Hiob:

So beginnt’s ...

■  Hanne Hiob ▪ Nika M. Smrekar
Mai
1988

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Hanne Hiob (* 12. März 1923 als Hanne Marianne Brecht in München; † 23. Juni 2009 ebenda) war eine deutsche Schauspielerin.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ehe ihrer Eltern Bertolt Brecht und Marianne Zoff wurde 1927 geschieden. Im Jahr darauf heiratete die Mutter den Schauspieler Theo Lingen. Deren gemeinsame Tochter Ursula Lingen (1928–2014) wurde ebenfalls Schauspielerin.

Hanne Brecht war Tanzelevin an der Wiener Staatsoper. Als Tänzerin und Schauspielerin arbeitete sie danach in Salzburg. Nach der Heirat mit dem Berliner Arzt Joachim Hiob im Juli 1948[1] nahm sie dessen Namen an.[2]

In der Uraufführung von Brechts Die heilige Johanna der Schlachthöfe spielte sie 1959 unter Gustaf Gründgens in Hamburg die Titelrolle der Johanna. Sie war an zahlreichen Theatern, unter anderem in München, Hamburg, Frankfurt, Wien und Berlin, als Schauspielerin engagiert. Außerdem wirkte sie in Filmen und Fernsehspielen mit.

Grabstätte von Brecht, Weigel und Hiob

Sie beendete 1976 ihre Bühnenlaufbahn, war aber seitdem aktiv bei Brechtlesungen und Straßentheaterprojekten, z. B. dem „Anachronistischen Zug“ (1979, 1980, 1990 und 2000). An der von juristischen Problemen begleiteten westdeutschen Erstaufführung des Herrnburger Berichts (Text: Bertolt Brecht; Musik: Paul Dessau) am 11. Mai 1983 in Essen war sie maßgeblich beteiligt. Mit den Programmen ... nun lebt wohl und werdet Kämpfer (letzte Briefe aus Konzentrationslagern) tourte sie ab 1985 durch ganz Deutschland und Österreich, ab 1989 mit dem Programm Am Fleischerhaken hängt er, ach (Aussagen von Wehrmachtsdeserteuren).

Die Urne Hanne Hiobs wurde am 21. Juli 2009 am Fußende des gemeinsamen Grabes ihres Vaters mit Helene Weigel auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte bestattet.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2003 wurde ihr die Medaille München leuchtet der Bayerischen Landeshauptstadt München verliehen.
  • 2005 wurde sie mit dem Aachener Friedenspreis (gemeinsam mit dem Priester und Friedensaktivisten Roy Bourgeois) ausgezeichnet. Ihr wurde der Preis für ihr Lebenswerk in der Arbeit gegen Faschismus, Rassismus und Krieg verliehen.
  • 2016 wurde in München-Berg am Laim eine Straße nach ihr benannt[3]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schauspielerin
  • 1941: Frau Luna
  • 1943/1944: Es fing so harmlos an
  • 1963: Wassa Schelesnowa – Fernsehspiel
  • 1964: Haben – Fernsehspiel
  • 1964: Nebeneinander – Fernsehspiel
  • 1966: Die Ermittlung – Fernsehspiel
  • 1970: Der Kommissar – Episode „Anonymer Anruf“ – Fernsehserie
  • 1975: Die Gewehre der Frau Carrar – Fernsehspiel
  • 1981: Regentropfen
  • 1983: Die letzte Runde
  • 1985: Die unwürdige Greisin (Fernsehfilm)
  • 1990/1991: Ende der Unschuld
  • 1997: Hundert Jahre Brecht
Regisseurin
  • 2003: Flüchtlingsgespräche

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Augsburger Brecht-Lexikon bei Google Buchsuche. Abgerufen am 16. Oktober 2010.
  2. Hanne Hiob: Brecht-Tochter starb als aufrechte Kommunistin. In: welt.de. 25. Juni 2009, abgerufen am 25. Juni 2009.
  3. Hanne-Hiob-Straße auf muenchen.de, abgerufen am 2. Januar 2017