Archiv der sozialen Bewegungen, Context
Oktober
1991
Wer steckt hinter dem JURIDIKUM?

Context — der Verein, das Konzept

Eigentlich mögen wir ja keine Selbstdarstellungen außer der einen: dem JURIDIKUM und seinem Inhalt. Nach zwei und einhalb arbeitsreichen Jahren haben sich allerdings gehäuft: einerseits Mutmaßungen der LeserInnen und interessierten BeobachterInnen darüber, wer — und zwar eigentlich — hinter dem JURIDIKUM steht; andererseits unsere eigenen Überlegungen und Konzepte zur Weiterarbeit, die den Rahmen dessen, was üblicherweise im JURIDIKUM sichtbar wird, überschreiten. Deshalb sei hier einmal ausgepackt:

1. Zur Vorgeschichte

Vorgeschichten sind wichtig aber lästig — daher eine stenographische Fassung:

Die Wurzeln des Projekts reichen in die Zeit des Studentenstreiks (1987) und die darauf folgende „Muki-di-rui“-Basisgruppen-Phase (1988) zurück. Die Teilauflösung (anders herum: Fraktionswerdung) von „Muki-di-rui“ stellte für jene, die bis dahin die Zeitschrift gleichen Namens gemacht und nunmehr „Muki-di-rui“ verlassen hatten, im Nachhinein und unterm Strich die Chance dar, eine Zeitschrift weiterzuentwickeln, die kein Nebenprodukt mehr sein können sollte. Was sie denn sein sollte, darüber gab es schon vor der Nullnummer ein einigermaßen klares Konzept, anhand dessen sich das Projekt im großen und ganzen entwickelte — so dynamisch, wie das unter professionellen aber unbezahlten Bedingungen eben bis heute möglich war. Inhaltlich ein klares, wenn auch zu vielfältigster Konkretisierung offenes Konzept: sich zwischen alle in Frage kommenden Stühle zu setzen und zu schauen, ob wir eine Konversation in Gang bringen. Einzige Vorgabe: Zur Teilnahme kommen alle in Frage, die sich mit Recht, Staat und was noch dranhängt aus welchem Zugang auch immer beschäftigen. So hofften wir und sind wir wohl dabei zu erreichen, um ein Themenbündel herum Studierende, wissenschaftlich und beruflich Tätige und politische AktivistInnen miteinander ins Gespräch zu bringen und diese Auseinandersetzung so lesbar, brauchbar und interessant zu gestalten, daß sie für Leser gut ist, die selbst nicht irgendwo verstrickt sind. LeserInnen sind immer noch das hauptsächliche Objekt der Context-Begierde — die des JURIDIKUM wissen’s (Wunsch, Vater des Gedankens).

2. Zum Stand der Dinge

Im Laufe der Zeit ist durch die redaktionelle Arbeit am JURIDIKUM eine Vielzahl von Kontakten zu VertreterInnen des Studiums, der juristischen Berufe, der Wissenschaft und der politischen Arbeit entstanden. Es erscheint nunmehr auch sinn- und reizvoll, diese nicht nur zu medialer sondern auch zu direkter Kommunikation einzuladen und daraus zum einen Arbeitsbereiche für (fortschrittliche, kritische ...) wissenschaftliche Betätigung zu erschließen, zum anderen aber und weiterhin interessierten gesellschaftlichen Gruppen einen leichten Zugang zu bereits stattfindender wissenschaftlicher Arbeit zu verschaffen — dieses Letztere auch durch Aktivitäten, die über die Herausgabe einer Zeitschrift hinaus gehen.

Was einem Menschen unserer Generation dazu einfällt, ist zunächst einmal: „Vernetzung“.

3. Von brauchbarer Information zu freien Studien (und zurück)

Um diese Vernetzung unserer Autorinnen, Autoren, Freundinnen und Freunde, Leserinnen und Leser zu forçieren und soweit wir es für sinnvoll halten zu organisieren, haben wir das Context-Konzept jüngst ausgeweitet und die Möglichkeit vorgesehen, sich im Verein auch zu anderen Aktivitäten zu organisieren als zur ausschließlichen redaktionellen Mitarbeit. Es ist für AnbieterInnen von Fachwissen und daran interessierten Personen und Organisationen nunmehr auch möglich, sich im Rahmen von Context über Interessen und Bedürfnisse zu verständigen, eventuell auch Programme für die gewünschte wissenschaftliche Erarbeitung bestimmter Themen zu entwickeln — jedenfalls direkt miteinander zu kommunizieren.

Der Verein Context sieht allerdings seine Aufgabe nicht darin, die wissenschaftliche (und künstlerische — siehe Statuten) Arbeit vorwiegend im eigenen organisatorischen Rahmen abzuwickeln — insbesondere nicht in jenen Bereichen, in denen und insoweit es bereits eine ganze Reihe von kritischen (fortschrittlichen ...) Wissenschaftsinitiativen gibt, von denen diese Arbeit besorgt wird oder die darauf ausgerichtet sind, diese Arbeit zu erbringen. Mit diesen Gruppen wollen wir keinesfalls konkurrieren, sondern sinnvoll zusammenarbeiten.

Was Context leisten will, ist eine vorwiegend kommunikative Funktion zu erfüllen, die Verständigung über sinnvolle Perspektiven und Arbeitsprogramme anzuregen, zu diesem Zweck die vielzitierte aber in vielen Bereichen kaum entwickelte „Vernetzung“ zubetreiben und die Ergebnisse der wissenschaftlichen, politischen und wissenschaftlich-politischen Arbeit weiterhin zu veröffentlichen, soweit die Beteiligten das wünschen.

Diesem Zweck soll die Weiterentwicklung unserer Publikationstätigkeit dienen, ausgehend von dem am JURIDIKUM erarbeiteten Konzept. In sinnvoller Ergänzung wären sowohl weitere Publikationsformen als auch weitere Publikationsthemen in unserem Sinne. Da unser besonderes Interesse der Anregung Studierender zu selbständiger Arbeit in gesellschaftlich wichtigen Bereichen liegt, werden wir künftig auch verstärkt Veranstaltungen an den Universitäten durchführen und geeignete Fazilitäten vor allem in Form von Archiv und Bibliothek aufbauen. Dazu aber mehr auf der letzten Seite dieser „Conpost“.

aus: Conpost 3/91 (Beihefter zu JURIDIKUM 3/91)

Medieninhaber, Herausgeber, Hersteller: Context — Verein für freie Studien und brauchbare Information, Hägelingasse 16/15, A-1140 Wien, 0222/98 23 966. Redaktion: Robert Zöchling Zweck, Richtung: Dieses Mitteilungsblatt soll Mitglieder, Freundinnen und Freunde des Vereins Context über dessen Tätigkeit informieren und die Diskussion über die Arbeit des Vereins unterstützen.

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