Noch ist Polen nicht gewonnen (II)
Auf beiden Seiten gab es Bemühungen zur Milderung der Gegensätze. Aktivster Vertreter einer solchen Politik war der aus der Sozialdemokratie hervorgegangene Warschauer deutsche Gesandte Ulrich Rauscher, welcher Ende der Zwanzigerjahre zwei große Vertragswerke mit der damaligen polnischen (…)
Eine Szene von solcher Symbolkraft, daß man meint, Herbert Eulenberg habe sie für seine „Schattenbilder“ erfunden, aber sie ist dokumentiert: Hegel, Schelling und Hölderlin, drei studierende Jünglinge aus der Schule des Tübinger „Stiftes“, reichen einander unter einem Baum, nahe der (…)
Kein Brückenschlag in Belgrad
Es war nicht nur eine ungewöhnliche Schau, zu der sich ein Kaiser, zwei Könige, mehrere Prinzregenten, eine Anzahl kommunistischer, nationalistischer und anderer Diktatoren samt einer großen Zahl von Ministern in Belgrad eingefunden hatten. Das politische Gewicht dieser Tagung ergab sich daraus, (…)
Klassenkampf im Bezirksgericht
„Das sozialistische Recht ist der zum Gesetz erhobene Wille der Arbeiterklasse, die im Bündnis mit den werktätigen Bauern und den anderen werktätigen Schichten der Bevölkerung die Macht ausübt“, erklärte der Erste Sekretär der sowjetzonalen Staatspartei auf dem V. Parteitag der SED im Juli 1958 (…)
Leider kranken die Bundesdeutschen immer noch daran, daß sie den von den Nazis initiierten Verfolgungswahn gegenüber Juden und Kommunisten nicht von innen heraus überwunden haben. Bei vielen ist rational nicht erklärbarer Antikommunismus an Stelle antisemitischer Vorurteile getreten. Für solche (…)
Von Februar bis April dieses Jahres wurden zahlreiche private und halbstaatliche Industriebetriebe in der DDR in Volkseigentum übergeführt. Um diese Maßnahmen in ihrem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung der DDR sehen und einordnen zu können, muß der Aufbau (…)
Die Arbeitswirklichkeit in den sozialistischen Ländern Osteuropas unterscheidet sich kaum von der des kapitalistischen Westens, nur die Bezeichnungen sind anders. Das zeigt nicht nur der jüngste Erfahrungsbericht von Miklós Haraszti aus Budapest (siehe die Rezension in diesem Heft), sondern auch (…)
Leben in Frieden = Friede mit der Natur
Roland Jahn wurde 1953 in Jena (DDR) geboren (Vater: wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Zeiss, Mutter: Buchhalterin), wo er auch die „Johannes R. Becher“-Oberschule besuchte. Nach Ableistung seines Militärdienstes 1972 bis 1974 begann er im Herbst 1975 das Studium der Wirtschaftswissenschaften (…)
Noricum, Europa und die österreichische Neutralität. Der fragwürdige Prozeß. I. Vorfälle im Sommer 1989, betreffend die österreichische Neutralität. Von gewissen Interessenten schon stillschweigend begraben, verschaffen laufende Ereignisse ihr einen neuen Stellenwert. 25.000 Menschen aus der (…)
Der ganze Osten bricht um. Während sich Ungarn und Polen auf dem Weg in Richtung kapitalistische Restauration befinden, sind in der DDR die Weichen für die künftige Entwicklung noch nicht so eindeutig auf Westkurs gestellt. Der Philosoph und Ökologe Wolfgang Harich — eine Symbolfigur des (…)
Über die Verwandlung der realsozialistischen Anti-Natur in die bürgerliche Pseudo-Natur. Ein Essay. Die sich überstürzenden Ereignisse im Osten, die Öffnung der Grenzen und die ersten Kontakte der ‚Blockmenschen‘ miteinander haben gleichviel Sich-Überstürzendes in der westlichen (…)
Gegen die Altersverkalkung der deutschen Linken zieht dieser Beitrag zu Felde und meint damit die Position jener Intellektuellen, die die deutsche Einheit als quasifaschistische Bedrohung empfinden und die Adenauer-Politik des geteilten Deutschland verteidigen. „Für uns ist das Fatale, daß ich (…)
Der Kapitalismus erobert die Welt, im deutsch-deutschen Fall ganz ohne militärische Gewalt. Die letzten GRÜNEN Realos sind auf den Wiedervereinigungs-Zug aufgesprungen. Man stelle sich vor, das ‚Argument‘, etwas sei richtig, weil eine Mehrheit es so sieht, gälte auch in anderen Bereichen (…)
Zum Jahreswechsel 89/90 haben die „Ereignisse im Osten“ ihren Begriff gefunden: um „gewaltlose Revolutionen“ handelt es sich. Noch nie haben Massen sich so friedlich und diszipliniert verhalten. Wo noch vor kurzer Zeit totalitäre Regimes Akklamationsaufmärsche befahlen, da versammeln sich (…)
Während ich diese Zeilen schreibe, ist mir die endgültige Zusammensetzung der großkoalitionären DDR-Regierung noch nicht bekannt. Doch soviel ist klar: Der kleine Bruder DDR hat sich gleich bei der ersten Generalprobe seines großen Vorbildes würdig erwiesen. Unter den 24 Ministerposten würden (…)
Prof. M. H. ist Inhaberin des Lehrstuhls für Völkerrecht der Juristischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität zu Jena. Wir bringen hier ihren Vortrag vom 16. Mai 1990 am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität Wien, den sie für uns überarbeitet hat. -Red. Europa und (…)
Des Autors satirische Glossen aus unsrer ehrwürdigen Tante im Geiste, der „Weltbühne“ in Berlin-Ost, wollten wir ursprünglich nachdrucken, solang deren geringe Verbreitung in westlichen Landen dies tunlich sein läßt. Vielleicht im Herbst — diesmal erhielten wir frisch seine zornigen Funksignale (…)
Noch vor neun Monaten titelten wir unsere DDR-Geschichte „Chaos auf preußisch“. Heute, nur wenige Wochen nach dem Vollzug der deutsch-deutschen Währungs- und Sozialunion, müssen wir feststellen: Selbst die damals von vielen für übertrieben gehaltene Prognose muß einem noch düstereren Befund (…)
Sie haben Anfang und Ende der DDR miterlebt; Hoffnung und Enttäuschung, und wieder Hoffnung. Was haben die heute 65- bis 85jährigen über ‚ihren‘ Staat zu erzählen, der am 3. Oktober 1990 seine Pforten schließt? Diesmal hatten die Historiker die Nase vorne. Bereits am 22. Dezember 1989 (…)
Um das Volk vor sich selbst und anderen zu schützen, war den Mitarbeitern der Stasi nichts zu aufwendig, nichts zu schwierig und nichts zu dumm. Mit deutscher Gründlichkeit hielten sie ein Volk in Schach. Methoden und Ergebnisse dieser Arbeit sind bis auf weiteres in der „Heldenstadt“ Leipzig zu (…)
Der politische Witz profitiert allemal von nationalen Talfahrten, er verkümmert im Aufwind des Wohlstandes. In den neuen deutschen Bundesländern, die noch vor Jahresfrist DDR hießen, fragt man heute in bitterer Selbsterkenntnis: Was ist der Unterschied zwischen Ossi und Terrorist? Antwort: Der (…)
Die Personen und ihre Darsteller: Herr Groll — Berufsunfähigkeitspensionist aus Wien XXI., Rollstuhlfahrer. Herr Tritt — Universitätslektor für Soziologie aus Wien XIII. Zeit: Im Jänner 1992, spätabends Ort: Berlin, Alexanderplatz. Eine Bierkneipe Herr Groll sitzt, zwei Glas Bier und ein Glas (…)
Antisemitismus in einem ostdeutschen Dorf
Bereits vor der nationalen Einheit war klar, daß der Antisemitismus in einem erneut erwachenden Gesamtdeutschland zunehmen würde. Nationalismus — egal ob liberaler, faschistischer oder linker — ist in Deutschland ohne Antisemitismus kaum vorstellbar. Da mit der Wiedervereinigung auch die letzten (…)
Auf eine umfassende Geschichte der deutschen Linken nach dem Zweiten Weltkrieg wartet man schon lange. Die beiden amerikanischen Politikwissenschaftler Andrei S. Markovits und Philip S. Gorski haben sie jedoch, anders als sie im Untertitel ihres Buches Grün schlägt rot. Die deutsche Linke nach (…)


